Kreisgruppe Bergstraße

Tierethik rund um's Jahr

Die größte ethische Prüfung, die uns bevorsteht, ist die Behandlung derer, die uns ausgeliefert sind. ―Lyn White

Das ganze Jahr über gibt es Anlässe dazu, sich mit verschiedenen Aspekten zum spannenden Thema Tierethik zu beschäftigen. Hier unsere Auswahl verteilt auf die Monate des Jahres.

Veganuary

Burger aus pflanzlichen Zutaten  (Tim Reckmann / pixelio.de)

Vegan ins neue Jahr starten. Eine britische Non-Profit-Organisation ruft seit 2014 im Januar zum Veganuary auf, bei dem es darum geht, Menschen zu motivieren, einen Monat lang bewusst eine vegane - also möglichst tierfreundliche - Ernährung auszuprobieren. Seit Januar 2020 ist diese Kampagne in Deutschland angekommen. Neben dem ethischen Motiv, unsere Ernährung aus der Opferperspektive zu betrachten und auszuprobieren, wie es sich anfühlt einen Monat lang ohne das vermeidbare Alltags-Tierleid unterwegs zu sein, stehen die eigene Gesundheit und der Umweltschutz auf dem Programm.

Februdairy - der Milchmonat

Ein Kalb in der Nähe des Euters der Mutterkuh  (M. Großmann / pixelio.de)

"Dairy" kommt aus dem Englischen und bedeutet Milch- und Milchprodukte. In diesem Monat wollen wir den Blick auf die Milch, genauer: Kuh-Milch, richten.

Wie wird Milch hergestellt? Welche tierethisch relevanten Aspekte treten auf?

Zukünftige Marktfähigkeit klassischer Kuhmilch im Vergleich zu günstigen pflanzlichen Alternativen? (siehe z. B. Meldung https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/ernaehrung-milchersatz-vegan-101.html, 25.04.2021)

März - Männlichkeit

Was hat Fleischkonsum mit dem hiesigen Selbstverständnis von Männlichkeit zu tun?

Über die Nationale Verzehrsstudie II (2006, https://de.wikipedia.org/wiki/Fleischkonsum_in_Deutschland) wird festgestellt: "Der Fleisch- und Wurstverzehr hängt in Deutschland sowohl vom Geschlecht als auch vom Bundesland ab. Frauen verzehren dabei etwa halb so viel Fleisch wie Männer. [...] Der Konsum von Fleisch bzw. Fleisch- und Wurstwaren als Bio-Lebensmittel wird auf bis zu 2 Prozent geschätzt."

Der Fleischatlas 2021 stellt fest, "dass Fleisch rund um den Globus eine hohe soziokulturelle Symbolik hat. Untersuchungen aus Industrienationen zeigen beispielsweise, dass sich die Assoziation von Fleisch und Männlichkeit weiter fortschreibt." (S. 42), siehe auch Soziologie.

Fragen für den Monat März:

  • Was gilt in unserer Kultur als typisch männlich? Ist allein damit der ca. doppelt so hohe Fleischkonsum zu erklären?

Impulse:

Politische Philosophie im April

Der Mai und das Ei

Drei Eier und ein Küken. Im Rahmen der Legehennenproduktion zur Eierproduktion werden Stand 2021 durch die Brüterei-Unternehmen die Mehrzahl der männlichen Küken im Auftrag der Kunden (hühnerhaltende Betriebe) getötet; in der Regel mit Gas. Muss das sein? Wo kommt das Geld her?  (Timo Klostermeier / pixelio.de)

Wusstest du schon, dass praktisch jede kommerziell durchgeführte Produktion von Hühnereiern für den menschlichen Verzehr damit einhergeht, dass gesunde Tiere in jungem Alter systematisch getötet werden?

Details dazu findest du auf unserer Eier- und Hühnerseite.

Die tierethische Frage für den Mai lautet:

  • Was macht Hühnereier für viele Menschen derzeit so attraktiv und ginge es auch ohne?

Jagd im Juni

Welche Tiere werden im Kreis Bergstraße gejagt und warum?

Impuls:

Jod im Juli

Die Beschäftigung damit, welche Entscheidungen in der Vergangenheit getroffen wurden, um in Deutschland die Versorgung mit kritischen Mikronährstoffen in der Ernährung sicherstellen, bietet Anlass für eine interessante Diskussion.

Hier das Beispiel Jod: https://de.wikipedia.org/wiki/Iod#Lebensmittel - "In Deutschland kommen Iodverbindungen in den Böden unverändert in zu geringen Mengen vor. Durch die Jodprophylaxe, die im Wesentlichen aus der Iodierung von Speisesalz („Jodsalz“) und der Iodierung von Futtermitteln in der Landwirtschaft besteht, konnte die Iodversorgung in Deutschland [...] verbessert werden."

Ein anderes Beispiel ist Selen:

Selen ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Se. "Selen ist ein essentielles Spurenelement für Menschen, Tiere und viele Bakterien. In der Milchviehfütterung wird Selen zugesetzt, da der natürliche Selengehalt der Futtermittel oft nicht zur Versorgung der Nutztiere ausreicht." ([1])

"Selenarme Böden in Europa finden sich insbesondere in Deutschland, Schottland, Dänemark, Finnland, in Teilen der Balkanländer und in der Schweiz. In manchen selenarmen Gebieten werden dem Boden selenathaltige Düngemittel zugeführt, z. B. in Finnland seit 1984." ([2])

Welchen Stellenwert hat der Maßstab "Natürlichkeit" bei der Bewertung, ob etwas "gut" ist?

Welche Möglichkeiten haben wir hierzulande, um uns mit dem essentiellen Selen zu versorgen?

(Graphik in Vorbereitung: 1) selenhaltiger Boden in Amerika -> Paranuss -> Import / 2) Selen -> Futtermittel -> Tierprodukte / 3) Selen -> Dünger -> Pflanzen/Tierprodukte / 4) Selen direkt einnehmen)

August - Sommerpause

...

Schlachten im September

Schau bei unserer Schlacht-Seite vorbei.

Impuls: Besser töten mit Weideschlachtung?

Hier ist ein Clip aus dem Hessischen Rundfunk: Warum sich die sozial lebenden Rinder zum Vertreiben von lästigen Fliegen geschickt "abwechselnd" aufstellen und was der vegetarisch lebende Rinder-Halter Falk Zinke über die Vorteile der Weideschlachtung zu erzählen hat, erfahrt ihr in diesem Video-Clip: https://www.youtube.com/watch?t=1688&v=VJJkoO_jZ1U (erlebnis hessen, hr fernsehen, 2021, ab 28 min)

Einige Fragen dazu: Wie lange dürfen die Rinder unter unserer Obhut leben und warum? Wie lange könnten sie leben, wenn sie nicht geschlachet würden? Welche Rahmenbedingungen wären dafür notwendig?

Ozeanober - Fische und Ozeane

Im Oktober legen wir den Fokus auf Fische und deren Lebensraum die Meere und Flüsse.

Haben Fische Gefühle? Können sie Schmerz empfinden? Dieser Frage geht der SWR in diesem Beitrag aus dem Jahr 2020 nach: Fühlen Fische Schmerzen? - "Die Fische haben Schmerzrezeptoren, sie zeigen ein typisches komplexes Schmerzverhalten – also liegt die Vermutung nahe, dass sie auch Schmerzen empfinden. Und die Wissenschaftler erweisen sich am Ende dann doch nicht als Sadisten, denn ihre Schlussfolgerung lautet: Wenn Fische Schmerzen empfinden, dann muss das Konsequenzen haben." und "Angeln mit Angelhaken ist höchstwahrscheinlich sehr schmerzvoll, sagen sie. Das gleiche gilt, wenn Fische in Treibnetzen in einem langwierigen Prozess verenden. Die Forderung aus diesen Forschungen ist daher ein Verbot solcher Methoden, da der Fischfang in der heutigen Form vielen schmerzempfindenden Wesen tatsächlich viele Schmerzen zufügt."

Wenn Fische Schmerzen empfinden, welche Konsequenzen hat dies in unserem Umgang mit ihnen? (siehe z. B. die Vorschriften in der Tierschutz-Schlachtverordnung - TierSchlV, die derzeit nicht anzuwenden sind bei "einem Massenfang von Fischen, soweit es nach dem Stand der Wissenschaft nicht oder nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand möglich wäre, eine Betäubung durchzuführen")

Mehr unter Fisch & Fische.

November - Haben wir ein Recht auf Fleischgenuss?

Die Fragestellung für den November lautet: Haben wir ein Recht auf Fleischgenuss?
(selbst wenn das Fleisch von vermeidbar gequälten Tieren stammt)

Impulse:

Glückliche Dezember-Gänse?

(in Vorbereitung)

Januar 2021 - April 2021, Bildquelle des Titelbildes: eigene Aufnahme, zurück zu AG Tierethik