Kreisgruppe Bergstraße

"Eine vegane Ernährung sei wahrscheinlich der größte Hebel, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verringern."
(Verweis auf die Oxford-Studie im BUND-Impulspapier zur Suffizienz, Mai 2021, S. 13; siehe auch "Food Systems in a zero-deforestation world": lowest GHG emissions for scenarios with vegan diets -> Vegan-Check/Umwelt)

Auf dieser Seite möchten wir diesen Hebel für Umwelt- inklusive Tierschutz genauer betrachten. Es geht dabei weniger um die Hintergründe der veganen Philosophie oder um ethische Grundlagen rund um Gerechtigkeit für Tiere, sondern darum, die Wissensbausteine, die durch die Beschäftigung mit (Tier)ethik und Veganismus bereits seit längerem vorhanden sind, zu entdecken und effektiv zu nutzen.

Eine für die Ernährungswende besonders interessante Erkenntnis ist, dass Menschen hierzulande und in anderen westlichen Industrie-Ländern gesundheitlich nicht auf den Verzehr von Tierprodukten angewiesen sind (siehe Vegan-Check). Inbesondere der Fleischverzehr ist damit im Allgemeinen für die Konsument:in keine zwingende Notwendigkeit, sondern geht in den Bereich einer persönlichen Geschmacksfrage (vergleiche dazu die Position des BUND zur veganen Lebensweise).

Wenn man sich Missstände bei der Produktion von Eiern, Milch und Käse, Fleisch und Fisch vor Augen führt, hat jede:r Einzelne die Wahlmöglichkeit, die eigene Verantwortung dadurch wahrzunehmen, indem diese Produkte auch (mal) nicht gekauft werden. Derzeit bestehen gegenüber dieser einfachen und alltagstauglichen Option aber immer noch eine Reihe von Vorbehalten und Vorurteilen, so dass es Sinn macht, diese herauszuarbeiten und abzubauen (ohne damit den "globalen Veganismus" zu fordern).

Für die Einzelperson ist ein bewährter Weg dazu, eigene Erfahrungen zu sammlen und die Vielfalt der pflanzliche Küche selber auszuprobieren. Im Internet gibt es einige Quellen, die einen unverbindlichen Einstieg bieten. Selbst wer bereits wenig Tierprodukte konsumiert, kann davon profitieren:

Vegane Rezepte: Massennachfrage eindämmen

...und tierproduktfreie Rezepte-Kompetenz aufbauen.

Selbst wenn ein Individuum nicht vegan lebt oder eine Organisation nicht das Ziel hat, sich für Tierrechte in Form von Veganismus einzusetzen, aber neben Gesundheit und Umwelt auch Tierschutz und als Teil ihres Selbstverständnisses haben, bietet sich der bewusste Einsatz veganer Rezepte an.

Denn:

  • Selbst wer nur Eier von den eigenen Hühnern im Garten (oder vom Nachbarn) oder die Milchprodukte und das Fleisch von den eigenen Kühen hinter dem Haus isst, muss sich bewusst sein, dass die Mehrheit der Bevölkerung zu diesen Produkten keinen Zugang hat. Ein Rezept, das Fleisch, Milch und Eier in der Zutatenliste enthält, wird - insbesondere wenn es erfolgreich ist - mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von Personen nachgekocht werden, die die dazu notwendigen Tierprodukte (vermutlich unbewusst) aus tierquälerischer Massentierhaltung beziehen.
  • Sobald ein Rezept öffentlich gemacht wird, haben die Autor:innen keine Kontrolle mehr darüber, wo die Zutaten eingekauft werden (auch wenn der Rezeptetext Hinweise zu Bio und Tierwohl enthält). Man kann nach Veröffentlichung von einem durchschnittlichen Publikum ausgehen (wenig Detailwissen darüber, wie Tierhaltung in Deutschland in der Praxis funktioniert => Einkauf aus industrieller Massentierhaltung).
  • Massentierhaltung entsteht unter anderem dadurch, dass es eine massenhafte Nachfrage nach Tierprodukten gibt. Um einen Impuls zur Reduktion zu setzen, sind attraktive, tierproduktfreie Rezepte ein Werkzeug, um zu inspirieren wie man konkret auch mal ohne Tierprodukte ein vollwertiges Gericht zubereiten oder einen leckeren Kuchen backen kann.
  • Dies führt dazu, dass bei nicht-veganen Rezepten in der Summe ungewünschte Tierqual mit im Einkaufskorb landet. Bei veganen Rezepten besteht diese Gefahr nicht.

Fazit:

  • Rezepte, die zur Veröffentlichung für ein breiteres Publikums bestimmt sind, sind am besten durchgehend vegan.

Mögliche Vorbehalte und Erläuterungen dazu:

  • Ein konsequent veganes Rezepte-Konzept bedeutet nicht, dass die Autor:innen den Leuten das Fleisch wegnehmen wollen, sondern ist ein Werkzeug, um die Massentierhaltung vor der eigenen Haustüre von der Nachfrageseite her einzudämmen. Es ist eine Einladung Neues zu probieren und ein Angebot zum Aufbau von neuer Koch-Kompetenz.
  • Die Freiheit der Bürger:innen ist weiterhin gewährleistet: Rezepte mit Tierprodukten sind im Internet leicht zu finden.

    • Es geht nicht darum, anderen etwas vorzuschreiben, sondern die eigene Verantwortung bestmöglich wahrzunehmen.
    • Insbesondere dort, wo Tierprodukte eingekauft werden (z. B. beim Händler für ganzjähriges Weidefleisch oder dem Jäger von nebenan), sind in der Regel auch passende Rezepte vorhanden.

  • (aus dem Gesundheitsbereich) Man möchte "eine ganze Bandbreite" an Rezepten anbieten.

    • Was genau ist damit gemeint? Bietet das Pflanzenreich nicht eine sehr große Bandbreite für eine gesunde Ernährung?
    • Außerdem: rein gesundheitlich muss die Durchschnittsmenge von Fleisch und anderen tierischen Eiweißen reduziert werden. Das Aufzeigen wie vielfältig Pflanzen in der Praxis zum Einsatz kommen können hat eine so enorme Bandbreite, dass selbst wenn dort nicht alles ausschöpft wird, der üblicherweise für Rezepte zur Verfügung stehende Platz nicht ausreicht, um auch noch Tierprodukte zu beherbergen.
    • ...im Aufbau... (Vergleiche arte-Doku zum ONA, vielfältige und kreative pflanzliche Zutaten)
    • (siehe auch gesundheitliche Aspekte einer pflanzlichen Ernährung)

  • Wird damit nicht über das Ziel hinausgeschossen? (siehe Spezialfall Weidetierhaltung)
  • ...Fragen oder weitere Einwände gerne an uns; nimm Kontakt zu uns auf...

Spezialfall Weidetierhaltung:

  • Annahme: Das Ziel ist "Tierschutz erhöhen, Massentierhaltung abschaffen, aber gleichzeitig Weidetierhaltung fördern".
  • Zunächst: Eine Rezeptveröffentlichung mit mindestens einem der gängigen Tierprodukte in der Zutatenliste bedeutet derzeit ein hohes Risiko für Tierquälerei beim Nachkochen durch die intransparente Lieferkette. Diese Zutat wegzulassen ist die Anwendung des Prinzips der Risikovorsorge, das auch in anderen Bereichen des Umweltschutzes zur Anwendung kommt.
  • Weiterhin: Pflanzliche Rezepte sind hilfreich, um die Gedanken weg von "Tier = Produkt/Ressource" hin zu "Tier = schützenswertes Individuum" zu lenken.

Eine Befürchtung könnte sein, dass eine Organisation, die konsequent vegane Rezepte veröffentlicht, ein Eingangstor für eine größere Verbreitung des Veganismus öffnen könnte, dem (neben den sich daraus gegebenden Vorteilen) die Weidetierhaltung zum Opfer fallen könnte. Einige Überlegungen dazu:

  • Vegane Rezepte sind in Zeiten, wo Massentierhaltung die Norm ist, ein Werkzeug, um das Problem der hohen Nachfrage in den Griff zu bekommen. Wir haben also mehr als genug Nachfrage.
  • Der Zeitpunkt, wo die mengenmäßige Nachfrage nach Fleisch, Fisch, Milch, Eier unter einen Wert fällt, so dass der Verkauf von Bio-Fleisch und Weidetierprodukten als Einnahmequelle gefährdet würde, ist derzeit noch nicht abzusehen. Wenn sich dieser greifbar abzeichnet, wäre zu überlegen wie man mit nicht-veganen Rezepten entsprechend gegensteuern kann. Bis dahin bieten die Fleischproduzenten ohnehin weiterhin passende Rezepte an.
  • ...siehe auch Rinderhaltung ohne Schlachtung... (todo) /
  • Beispielrechnung: wenn alle Personen in Deutschland, die derzeit bereits vorwiegend  Bio-Tierprodukte einkaufen, ihre Konsum-Menge beibehalten, dann können Stand 2020 vermutlich ca. über 80 % der Gesamtbevölkerung vegan konsumieren, ohne den Bio-Tierprodukt-Absatz mengenmäßig zu gefährden.

Kantine und Mensa

Insbesondere in der Außer-Haus-Gastronomie kommen meistens (Ausnahmen bestätigen die Regel) Tierprodukte zum Einsatz, die nur dem gesetzlichen Mindeststandard entsprechen. Dies bedeutet oft industrielle Tierfabriken und Schlachtanlagen mit den bekannten negativen Folgen für das Tierwohl.

Aspekte zur Begründung einer stärker pflanzlich orientierten Gemeinschaftsverpflegung:

  • Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL), Juli 2021, PDF-Download

    • "Der verantwortungsvolle, abwechslungsreiche Genuss von Lebensmitteln ist Teil veränderter und stärker pflanzlich orientierter Ernährungsstile sowie einer modernen Kulinarik" (S. 5)
    • zur Ernährungspolitik / eine ZKL Empfehlung für die Gemeinschaftsverpflegung: "Daneben sollte eine Kulinarik des 21. Jahrhunderts kommuniziert und kultiviert werden, die nicht so sehr den Verzicht in den Vordergrund rückt, sondern die Fülle und Vielfalt einer abwechslungsreichen, pflanzlich orientierten Ernährung. Geschmack und Genuss sind wichtige Faktoren einer erfolgreichen Transformationsstrategie hin zu nachhaltigeren Ernährungsmustern." (S. 69)
    • "Angesichts der externen Kosten, die die vorherrschenden Produktionsformen mit sich bringen, scheidet eine unveränderte Fortführung
      des heutigen Agrar- und Ernährungssystems aus ökologischen und tierethischen wie auch aus ökonomischen Gründen aus." (S. 3)

  • BUND-Pressemitteilung Agrar- und Ernährungswende, August 2020, Antje von Broock, BUND-Bundesgeschäftsführerin Politik und Kommunikation)

    • "Die dringend notwendige Agrarwende kann nur gelingen, wenn sie durch eine sozial-ökologische Ernährungswende begleitet wird. Das bedeutet vor allem, weniger tierische Lebensmittel zu essen, saisonale und regionale Produkte zu bevorzugen und immer öfter zu Bio-Lebensmitteln zu greifen."
    • "Aus Gründen des Tierwohls, der Gesundheit und im Interesse unserer Umwelt, brauchen wir eine deutliche Reduzierung des Fleischkonsums, mehr und attraktivere vegetarische Angebote sowie einen höheren Bio-Anteil."

  • <...> können damit praktisch zeigen, dass es auch im Bereich des Catering heute ohne Probleme möglich ist, auch größere Veranstaltungen mit attraktiver pflanzlicher Verpflegung zu gestalten. Bio-Caterer bieten eine breite Palette an pflanzlichen Buffet-Optionen an.

Ergänzende Hinweise / Vorbehalte aktiv aufnehmen:

  • Die aktuelle Position des <...> zur bäuerlichen Tierhaltung oder Weidetierhaltung bleibt unberührt. <...> wirkt nur auf punktuelle Ereignisse im Jahr. Eine Nachahmung führt zu einer Erhöhung der Kompetenz in pflanzlichen Rezepten und Menüs. Dies hilft dabei die zu hohe Gesamtnachfrage nach Tierprodukten, die derzeit überwiegend durch Massentierhaltung erzeugt werden, zu reduzieren.
  • Die Freiheit einzelner Personen in ihren täglichen Ernährungsentscheidungen ist vom Antrag nicht berührt.
  • Es handelt sich dabei nicht um eine Bevormundung der Gäste (jede:r ist weiterhin frei, das zu essen, was er gerne möchte). Zeitgenössische Caterer können pflanzliche Menüs gestalten, bei denen kulinarisch keine Wünsche offen bleiben (-> siehe Vegane Sterneküche)
  • Die Beauftragung von veganem Catering kann ein möglicher Beitrag dazu sein, Vegaphobie (ein Hindernis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit, 2019) entgegenzuwirken:
    Zitat aus der Einleitung des verlinkten Papers:
    "… ein ordentlicher Professor, nicht ein veganer Professor, einer der Schnitzel und Steak isst! (Kommentar eines Professors  über  einen vegan  lebenden Kollegen bei  einer universitären Weihnachtsfeier, wo auch vegane Kekse zur Verfügung gestellt wurden, Österreich 2016)"

Beispiele aus der Praxis:

  • Uni Göttingen: "Mensa stellt um: Nur noch vegane und vegetarische Gerichte", Okt. 2021, NDR

    • Asta-Pressemitteilung 2021: "Küchenleiter Markus Lanze und sein Team haben wochenlang geeignete Rezepturen gesucht, ausgewählt und für die Zubereitung in einer Großküche adaptiert: „Wir stehen zu diesem Neuanfang und haben Lust darauf“, lautet sein Kommentar."

  • Studierendenwerk Berlin: "Für Tierwohl und Klima: Fleisch und Fisch sollen künftig nur noch vier Prozent des Speiseplans ausmachen" (Spiegel, August 2021)

    • Das Klima-Essen besteht immer aus pflanzlichen Rohstoffen, siehe Leitsystem in der Mensa, abgerufen Dezember 2021

  • "Veganes Café überzeugt in Wittenberg", Nov. 2021, MDR
    - "Das Vlora in hat alles, was ein gutes Café braucht. Heißgetränke, Torten -  aber alles ohne tierische Produkte. Ob solch ein Konzept in Wittenberg überhaupt ankommt, bezweifelte anfangs selbst Gründerin Anka Soboll." und Koch- und Backkurse (z. B. Mutter mit Tochter, die vegan leben möchte und dass die Mutter auch mal einen Kuchen backen kann ;-) )

 

Veganes Catering beauftragen

Siehe Besonderheit der Außer-Haus-Gastronomie im vorigen Abschnitt. Um sicherzugehen, dass nicht versehentlich Massentierhaltung beauftragt wird und um bewusst unnötige Schäden an Tieren zu vermeiden, ist die Beauftragung von veganem Catering ein praktisches Werkzeug.

     

Vegane Sterneküche: inspirieren lassen

Michelin-Gourmet-Guide:

arte-Doku, 2021:

  • "Re: Spitzenküche ohne Fleisch? - Frankreichs Gastronomie im Umbruch", 30 min
    - "Anfang 2021 erhielt das "ONA" in der Nähe von Bordeaux als erstes veganes Restaurant Frankreichs einen Michelin-Stern. Eine Sensation. Bislang konnten Gastronomie und Politik die fleischlastige Spitzenküche des Landes gegen alle Neuerungen erfolgreich verteidigen."
    - Kreativität und Vielfalt der pflanzlichen Küche in der Praxis.
    - Abgerundet wird der Beitrag mit dem Porträt eines Metzgers, der die Tiere, die er schlachtet, einzeln selber auf der Weide aussucht.

Profi-Köche kochen vegan:

Saisonal vegan und Bio

Kochen mit saisonalen und regionalen Zutaten ist wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Mit Blick auf das Tierwohl geht das auch vegan. Einige Beispiele:

Regionale Herkunft: Vorsicht Marketingfalle

Im Marketing für "gute" Tierprodukte wird oft mit "regional" geworben. Dies allein ist allerdings kein Merkmal, das maßgeblich dafür ist, es den Tieren besser geht als anderswo. Dazu einige Feststellungen:

  • Jede Tierfabrik, jeder enge, dunkle Stall und jeder Schlachthof ist an seinem Standort regional.
  • "Regional" suggeriert soziale Kontrolle (nach dem Motto: wenn die Anlage mit den Tieren in der Nähe ist, dann wird schon jemand hinschauen).
  • Leider gilt: alles, was gesetzlich nicht verboten ist (oder wenn es verboten ist und die Behörden systematisch wegschauen) wird irgendwo mit den Tieren gemacht (oft wegen wirtschaftlichen Zwängen und Zeitdruck). Wegen der üblichen fehlende Transparenz ist es für die Kund:innen am Endprodukt nicht erkennbar, wie die "regionalen" Tiere konkret behandelt wurden. => Für Menschen mit Tierschutzbewusstsein ist im Zweifel dann pflanzlich die bessere Wahl.
  • Tierprodukte entstehen in einer langen Prozesskette. Worauf bezieht sich das "regional" in der jeweiligen Werbung? Auf die Zucht? die Haltung? den Anbau von Pflanzen als Futtermittel (anstelle zum menschlichen Direktverzehr)? die Schlachtung? die Verarbeitung zum Endprodukt?

Umwelt-Tipp:

Veganer Tourismus: Was bringt das?

Marktübliche Tourismusanbieter greifen bei einer tierprodukthaltigen Verpflegung Stand 2021 meist auf Produkte aus Massentierhaltung zurück.

Um auch auf Reisen umwelt- und tierfreudlich unterwegs zu sein, gibt es Anbieter, die bewusst auf Tierprodukte verzichen.

Beispiel:

  • ARD-Beitrag, Okt. 2021: Das größte vegane Hotel Deutschlands, 4 min, "Viele möchten auch beim Reisen nachhaltig unterwegs sein und sind auf der Suche nach entsprechenden Hotels und landen vielleicht im größten veganen Hotel Deutschlands. Hier ist alles vegan: Essen, Einrichtung [...]"

Hotel finden:

Ideen und Gedanken

Halbierung des Fleischkonsums: Was bedeutet das konkret?

"Gesundheit und Klima - Umweltbundesamt dringt auf Halbierung des Fleischkonsums", März 2021, "Nur mit einem solchen Verzicht könne die umweltschädliche Massentierhaltung eingedämmt werden, sagte Präsident Messner."

Was heißt das für die Tiere? Wir schauen uns die jährlichen Schlachtzahlen für Deutschland an, grob gerundet:

- 300.000.000 Hühner (für Fleisch)
- 15.000.000 Hühner (für Eier)
- 15.000.000 Puten
- 7.000.000 Enten
- 25.000.000 Schweine
- 1.500.000 Rinder (für Fleisch und Milch)
=> Das sind 1 Million Tiere pro Tag, die geschlachtet, also in jungem Alter und (im Idealfall) bei bester Gesundheit getötet werden. [2]
Dazu kommen mehr als 1 Milliarde (1.000 Millionen) Fische pro Jahr (rund 2,5 Millionen pro Tag). [1]

Vorstehende Zahlen sind im Vergleich zu heute (Stand 2019) bereits halbiert. Das Zahlenbild obige stellt also die Welt für die Tiere in Deutschland dar, wenn die Halbierung des Konsums aller Tierprodukte bereits stattgefunden hätte. Im Jahr 2019 waren demgegenüber die doppelten Anzahlen zu verzeichnen: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/schlachtzahlen-2019-gesunken.

Impulse:

[1] Das, was die deutsche Fangflotte durchschnittlich pro Jahr in den Jahren 2007 - 2016 gefangen hat; Fische werden gewogen, nicht gezählt; das heißt, die Zahlen basieren auf einer Schätzung; Details siehe http://fishcount.org.uk/studydatascreens/2016/numbers-of-wild-fish-B0-2016.php?countrysort=Germany%2Fsort2
[2] https://de.statista.com/infografik/22076/anzahl-der-durchschnittlich-pro-tag-in-deutschland-geschlachtete-tiere, 2020

Verbindung zur Saatgut-Vielfalt

  • "Der Kampf für die Vielfalt des Saatguts", umweltnetz-schweiz.ch, 2019

    • "Pflanzen machen vier Fünftel der menschlichen Nahrung aus. 30‘000 von 250‘000 Pflanzenarten sind gemäss der FAO essbar, doch lediglich 30 davon spielen heute in der weltweiten Ernährung eine Rolle."
    • => Die Förderung der pflanzenbetonten bzw. tierproduktfreien Ernährung könnte aus kulinarischen Gründen ein Treiber sein, die Vielfalt der Pflanzenarten für die menschliche Nahrung zu erhöhen.
    • => Hier wird das große Potential deutlich, wenn es um Vielfalt in der pflanzlichen Küche geht; siehe auch Vegane Sterneküche.

Vom Sonntagsbraten zum Sonntagsbratling

Der klassische Sonntagsbraten bedeutet, möglichst nur einmal in der Woche Fleisch zu essen.

Um den aktuell typischen Tierwohlverletzungen bei Hühnern (Eier) und Rindern (Milch) Rechnung zu tragen, kann die Idee des pflanzlichen Sonntagsbratlings hergenommen werden. Ein weiterer Gedanke dabei ist, insbesondere an Festtagen auf tiertötungsbasierte Produkte zu verzichten, um auch den Tieren zur Feier des Tages eine symbolische Pause zu gönnen, wenn es dann unter der Woche mit dem Montagsbraten weitergeht.

 

Betriebsgröße != Tierwohl

Aus Umwelt- und sozialen Aspekten fordert der BUND eine Agrarwende mit kleinbäuerlichen Strukturen.

Dazu Hinweise speziell zum Tierwohl:

  • "Tierwohl ist keine Frage der Betriebsgröße." (https://www.landwirtschaft.de/diskussion-und-dialog/tierhaltung/reizwort-massentierhaltung/, 2021)
    "Nach Meinung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist ein solcher Zusammenhang wissenschaftlich jedoch nicht belegbar. Nicht die Betriebsgröße sei ausschlaggebend für die Tiergerechtigkeit der Produktionsweise, sondern vor allem das Können und das Engagement der Tierhalterinnen und -halter, so das BMEL."

    • Diese Aussage wird in dem Artikel und eingebetteten (beschönigenden) Video zur Tierhaltung aber wieder relativiert, indem festgestellt wird, dass in großen Betrieben die Voraussetzungen für Weidegang etc. oftmals deutlich weniger erfüllt sind als in kleinen Betrieben. Von kleinen Milchviehbetrieben abgesehen, wo als Ausnahmegenehmigung oft noch die eigentlich bereits verbotene Anbindehaltung anzutreffen ist.

  • https://www.schweisfurth-stiftung.de/wp-content/uploads/2015/12/10-Fakten_Biotierhaltung.pdf, 2015, Bio ist besser...
    "Entlang der gesamten Bio-Produktionskette werden Landwirte, Tierhalter, Verarbeiter, Transporteure und Händler engmaschig kontrolliert."
    ABER: "das Tierwohl steht und fällt  —  in jedem Betrieb, ob konventionell oder ökologisch — mit dem Tierhalter. Sein Knowhow, seine Einstellung und Arbeitsweise, sein ethischer Anspruch und der seiner Angestellten tragen ganz entscheidend dazu bei, ob es einem Tier gut geht. Nicht von der Betriebsgröße, vom Betriebsleiter hängt das  Tierwohl  ab.  Es  gibt  auch  bei  Bio  Verbesserungsbedarf."

...im Aufbau...

Die Lage ist komplex und oft intransparent. Wer beim Tierwohl sicher gehen will, kann veganen Konsum als praktisches Werkzeug nutzen.

Vorsicht Tierartentausch

Wir beginnen mit einer Analogie zu Mobilität:

  • Ein Elektro-SUV ist zwar besser als ein Verbrenner-SUV, aber das eigentliche Problem ist der SUV.

Folgende Kommunikationsmuster, die Impulse zur Reflektion der Ernährungsgewohnheiten geben sollen, sind daher eher ungeschickt ("Anti-Pattern"):

  • Beispiel "Mehr Fisch": Die DGE empfiehlt zum Beispiel (aus Gesundheitsgründen) weniger Fleisch, aber dafür mehr (Meeres)fisch zu essen. Dies verlagert aber nur das Problem der hohen Tierproduktnachfrage.
  • Beispiel "Süßwasserfische statt Meeresfische": Aus Umweltgesichtspunkten wird weniger Meeresfische (und weniger Fleisch) und dafür auf derzeit weniger nachgefragten Fisch (z. B. Karpfen) auszuweichen. Hier ist abzusehen, wenn die Empfehlung in die Praxis umgesetzt wird, dass der Zielfisch mit Problemen zu rechnen hat (Lastverschiebung von Tierart A auf Tierart B).

Empfehlung: Anstelle beim Essen "Wechsel von einer Tierart auf eine anderen Tierart" zu kommunizieren, kann es besser sein den Speiseplan an sich in den Fokus zu nehmen und Methodenwissen zur pflanzlichen Ernährung vermitteln.

Tipp:

  • Darauf achten, die positiven Emotionen, die sonst von traditionellen Fleischgerichten ausgelöst werden, aufzugreifen. Positive Wortwahl verwenden. Zum Beispiel: "Wie könnte ein Luxus-Komfort-Menü ohne Tierprodukte aussehen?"

Fragen und Antworten

"Pflanzlich" oder "vegan"?

Was ist der Unterschied zwischen einer pflanzlichen und einer veganen Ernährung?

Eine pflanzliche Ernährung ist eine Art der Ernährung, bei der alle Zutaten aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen bzw. die ohne Tierprodukte auskommt.

Eine vegane Ernährung ist in der alltäglichen Praxis das gleiche. Sie hat ihren Ursprung in der veganen Lebensweise. Dort steht die Haltung im Vordergrund, Tiere nicht unnötig auszubeuten. Dem individuellen Tier wird über dessen reinen Nutzwert hinaus ein Eigenwert zugesprochen, der höher liegt als das persönliche Geschmacksempfinden oder sonstige Gewohnheiten, siehe Umwelt- und Tierethik.

Soweit dies praktisch möglich ist (siehe Definition), wird der bewusste Konsum von allen denjenigen Produkten vermieden, die üblicherweise mit dem Einsperren und frühzeitigen Töten von (im Idealfall) gesunden, empfindungsfähigen Tieren verbunden ist.

In der Ernährung werden daher Fleisch, Fisch, Eier, Milch (inkl. Käse) und oft auch Honig vermieden. Im Bereich der Bekleidung werden darüber hinaus Leder (Haut von Tieren), Pelz (Fell von Tieren) und Daunen (Vogel-Federn) wo möglich und bekannt vermieden. Bei Kosmetik und Reinigungsmitteln wird darauf geachtet, dass diese ohne Tierversuche einhergehen.

Was ist Tempeh?

Tempeh ist ein Geheimtipp für alle, die es noch nicht kennen: https://de.wikipedia.org/wiki/Tempeh.

"Tempeh ist ernährungsphysiologisch sehr wertvoll, da der Pilz die Proteine der Bohne aufschließt."

"In den ländlichen Gebieten Indonesiens steht der Bevölkerung mit Tempeh eine wertvolle und preiswerte Eiweißquelle zur Verfügung; in Städten bieten Garküchen frittiertes Tempeh in einer Vielzahl von Variationen als leichten, aber sättigenden Snack an."

Naja, so geheim ist es nicht, da es mittlerweile in jedem gut sortierten Biomarkt in verschiedenen Varianten zu finden ist. ;-)
Tipp: Tempeh kann man anbraten. Man kann Tempeh auch ungekocht essen; z. B. als herzhafte Ergänzung in einen Salat würfeln.

New model

Buckminster Fuller quotes

“You never change things by fighting the existing reality.
To change something, build a new model that makes the existing model obsolete.”

Das trifft vielleicht nicht immer zu, aber übertragen auf die Ernährungswende könnte das heißen:

  • existing reality = "Die Leute wollen Fleisch von Tieren essen (oder denken, dass sie es müssten) => Massentierhaltung, Umweltzerstörung, Tierleid"
  • new model = "Mit Pflanzen kann man sich als Mensch hierzulande genauso gut oder sogar besser ernähren."
    (Mit diesem neuen Modell erhält jede:r Einzelne die Freiheit den persönlichen Tierproduktkonsum ganz leicht bis auf 0 zu reduzieren.)

Kreisläufe / Tiere / Bio-vegan / Sanitärwende

Apropos... „Braucht der Ökolandbau noch Tiere?“

(Hinweis: Veganismus bedeutet nicht die Abschaffung jeglicher Tierhaltung, sondern wendet sich hauptsächlich gegen die vorzeitgige Tötung der Tiere entgegen ihrem Interesse weiterzuleben)

  • „Braucht der Ökolandbau noch Tiere?“, HNE Eberswalde, Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Fachgebiet Ökologische Tierhaltung, 2018, 81 Seiten
    Inhalt:
    - "Anstieg Veganismus  – Merkmale, Argumente, bio-vegane Landwirtschaft"
    - "Landwirtschaft ohne Nutztiere? – Was würde fehlen? – Szenarien mit weniger Tieren"
    - "Wo kann die ÖT noch besser werden? – ausgewählte Beispiele Zucht, Fütterung, Haltung"

    - F. 44: "nicht unbedingt ...aber er kann sie gut gebrauchen"
  • allgemein: "Braucht die Landwirtschaft Tiere?" (2019, https://www.ernaehrungswandel.org/informieren/artikel/detail/braucht-die-landwirtschaft-tiere)
  • TODO: Beispiel vom ehemaligen Biomilchbauer, der seit 20 Jahren mit pflanzlichem Kompost-Dünger arbeitet (siehe ARD-Doku, Eine Welt ohne Fleisch)

Bio-vegane Landwirtschaft:

Neben dem Kreislauf, Tierdung als Dünger zum Pflanzenwachstum zu verwenden, gibt es auch einen weiteren, derzeit noch weniger beachteten Kreislauf:

Vegane Ernährung und ökologische Landwirtschaft:

  • Schließen sich allgemeiner veganer Konsum und ökologische Tierhaltung prinzipiell aus? (-> nein, siehe z. B. Fazit des Vegaphobie-Artikels)
  • Muss man als Bio-Landwirt:in zwingend Tiere halten? (-> nein, siehe z. B. "Braucht Ökolandbau noch Tiere?")
  • Was ist bio-vegane Landwirtschaft? (siehe oben)
  • Frage: Wenn wir Tiere halten (z. B. zur Düngerproduktion), muss es dann auch Menschen geben, die die Tiere essen? Wie sähe eine Bewirtschaftung/Tierhaltung aus, wo der Dünger im Vordergrund steht und nicht die Produktion von Tierprodukten?

     

Januar - November 2021, Quelle Intro-Bild: Hammer auf Holz, https://pxhere.com/en/photo/1058699, CC0