Kreisgruppe Bergstraße

Schlachten

»Die Tiere können nicht sprechen, dennoch denken sie viel mehr, als wir uns vorstellen.« ―Albert Schweitzer

Eine Konstante bei der Herstellung bekannter Tierprodukte wie Fleisch, Fisch, Milch inkl. Käse und Eiern ist das Schlachten der betroffenen Tiere. Im Idealfall sind die Tiere zu diesem Zeitpunkt gerade ausgewachsen (schlachtreif) und bei voller Gesundheit. Als wesentlicher Teil des Produktionsprozesses ist die Schlachtung - so wie die Züchtung - (scheinbar) überraschend wenig in der aktuellen Debatte präsent; die Bedingungen der Haltungsbedingungen nach der Geburt und vor der Tötung durch Schlachtung dominieren die Diskussion.

Was ist beim Schlachten eigentlich schlimm für die Tiere?

  • Neben dem Umstand, dass den gesunden Tieren in jungen Jahren mit Gewalt das Wichtigste genommen wird, das sie haben (ihr Leben; siehe Gerechtigkeit für Tiere), gibt es rund um die Schlachtung eine Reihe von wissenswerten Details, die das Wohl der betroffenen Tiere zusätzlich schädigt.

Diese Details möchten wir uns genauer anschauen, um neue Impulse zur Reflektion des Verhältnisses Menschen und nicht-menschlichen Tieren zu geben.

Schlachten in Schlachthöfen

Die meisten Nutztiere in Deutschland werden in industriellen Schlachthöfen getötet. Dort sterben einerseits Tiere, die in der industriellen Intensivtierhaltung (auch Massentierhaltung genannt) aufgezogen wurden, aber auch ein gewisser Anteil der Tiere anderer Haltungsformen (inklusive Bio) werden derzeit dort "prozessiert".

Wie sieht das Schlachten von Tieren in diesen Schlachthöfen aus? Uns interessiert der Idealfall, also wenn alles so läuft wie gewünscht und wie gesetzlich vorgeschrieben.

Am besten schaut man sich die Dinge persönlich zum Beispiel im Rahmen einer Exkursion an, um sich ein eigenes Bild zu machen. Bei Interesse komme gerne auf uns zu. In den folgenden Abschnitten geben wir einen Überblick über das Schlachtungsprozedere der meistgetöteten Tierarten anhand öffentlich zugänglicher Materialien.

Was ist mit Bio?

  • "Tönnies ist nicht nur Marktführer beim konventionellen Fleisch, sondern auch Deutschlands größter Bio-Schlachtbetrieb. Und für die von Bio-Bauern angelieferten Tiere gelten keine gesonderten Bedingungen. „Bio ist keine Frage der Schlachtung und Verarbeitung, sondern der Tierhaltung“, erklärte ein Tönnies-Sprecher." (welt.de, 18.06.2020)
  • "Schlachtet Bio besser?", schrotundkorn.de 2014
    - "Bio-Tiere werden artgerechter gehalten als konventionelle. Doch auch sie sterben. Nicht an Altersschwäche, sondern im bio-zertifizierten Schlachthof. Stirbt es sich dort anders?"
    - "legt Wert darauf, dass die Hühner und Puten nicht von einer Maschine sondern von Hand gestochen werden."
    - "
    Wer nur schlachtet, verroht.“
    - "600 Hühner die Stunde"
    - Für ihn "gehört der Tod zum Leben dazu und das will er auch den Verbrauchern vermitteln, die den Hof besuchen."

Was gehört zum Leben dazu: Der Tod oder das Töten?

  • Frage zum Diskutieren.

Schweine

Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr rund 50 Millionen Schweine geschlachtet.

Schlachten mit hohem Durchsatz

Vion ist nach Tönnies und Westfleisch der drittgrößte Schweineschlachter für den deutschen Markt (https://www.rnd.de/wirtschaft/schlachtungen-grossfirmen-wie-tonnies-und-westfleisch-teilen-den-markt-unter-sich-auf-DHR7KTKCUNCG7LBZDQCBZNEFGU.html, 2020, Graphik 2019).

Bei Vion gibt es eine Webseite, die Informationen über ausgewählte Teile des Schlachtbetriebes liefert: https://www.vion-transparency.com/de/. Dort ist ein Video eingebettet, das zeigt wie die Schlachtung der Schweine unter Idealbedingungen abläuft: "Wie die Schwei­ne­schlach­tung und -zer­le­gung bei Vion ab­läuft, er­klärt Derk Oor­burg, Tier­arzt im Qua­li­täts­ma­nage­ment des Kon­zerns, am Bei­spiel ei­nes Be­triebs in Hol­land."

Das Video dauert ca. 5 Minuten und lässt sich (nur) mit den Cursor-Tasten vor und zurückspulen. Diese Themen werden behandelt: Anlieferung der Tiere, Schweine-Dusche, automatischer Treibegang, Betäubung in einer CO2-Kammer mit automatischer Beschickung, Rauskullern aus der Maschine auf der anderen Seite auf ein Förderband, Haken ins Hinterbein zum Hochziehen, "Übergang vom Lebewesen zum Lebensmittel", Stechen, Entbluten, Blutproben, Haare entfernen, Öffnung des Körpers mit Kreissäge, Organe entnehmen, automatisches Stempeln, Kühlraum, Grobzerlegung, Feinzerlegung, Verpacken, Temperaturprüfung und Transparenz.

Schlachten im kleinen Maßstab

  • Video: "Für mehr Tierschutz bei der Schlachtung - Elektrobetäubung bei Schweinen | Unser Land | BR", 4 min, 2021
    - 50 Schweine pro Woche, Handwerk
    - Schlachtung paarweise (auch wenn der eine Artgenosse schon tot ist, beruhige das das noch lebende Tier; "ein toter Artgenosse ist besser als kein Artgenosse")
    - Betäubung mit elekrischem Strom (Gehirn und Herz)
    - Die Tötung erfolgt durch einen gut platzierten Stich mit dem Messer in die Halsschlagader.
    - Das Blut fließt in einen Eimer mit langem Griff.
  • Hausschlachtung im Kreis Bergstraße
  • Weideschuss und mobile Schlachtbox (MSB); erfunden und rechtlich erstritten durch uria e.V.; Stand 2021 durchgeführt von (nur) mehreren hundert Höfen in Deutschland (Quelle: "Uria: Rinder, zur Sonne, zur Freiheit!", zeit.de, März 2021)

Betäubung mit CO2-Gas

2021: Problem mit der Industrie-Praxis der CO2-Betäubung. Tierschutzwidrige Todeskämpfe sind die Regel; siehe z. B. Aufnahmen von SOKO Tierschutz.

Beispiel-Websuche:

Schweinezucht als Auslaufmodell

Hühner

Hühner sind (nach Fischen) die Tiere mit der größten jährlichen Tötungszahl für die Nachfrage in Deutschland.

Das Beispiel einer automatisierten Schlachtanlage eignet sich gut dafür, sich ein eigenes Bild davon von machen, ob und wie sehr die betroffenen Tiere nur als Produktionseinheiten angesehen und behandelt werden. Dieses 7-Minuten-Video (2016) gibt einen Einblick in die Funktionsweise einer modernen Hühnerschlachtanlage wie sie in Deutschland und Europa zum Einsatz kommt. Anschaulich gezeigt werden die Schritte vom Verladen der Hühner ab Stall in enge Kisten, den Transport zur Schlachthalle und dort das Einführen der Tiere in das Fließbandsystem. Der Leiter der Anlage erklärt, wie die automatisierte Betäubung funktioniert und was das für die Tiere bedeutet. Bemerkenswert sind die Aufnahmen wie die Maschine die Tötung der Hühner in schneller Folge durchführt (ab ca. 3:30).

Hier ein Artikel über die Geflügelindustrie am Beispiel eines Schlachtbetriebes, dessen Anlage mit einer maximalen Schlachtkapazität von 432.000 Hühnern pro Tag arbeitet (2012).

 

Tötungszeitpunkt Legehennen: damals und heute

Damals:

  • ...im Aufbau... (möglicherweise kann man sich dabei an der heutigen Hobby-Haltung und Selbstversorgung orientieren)

Heutige Hobby-Haltung / Selbstversorgung:

  • z. B. https://www.dein-bauernhof.de/die-schlachtung-der-huehner/index.html

    • "Die Hennen schlachtet man, wenn sie nicht mehr legen." (wann ist das genau?)
    • Ausgewählte Details zum Schlachtvorgang:
      - "Das geschlachtete Huhn sollte appetitlich aussehen. Es sollte nicht blutverschmiert sein, die Haut sollte nicht eingerissen sein und keine blauen Flecken haben."
      - "Werden die Hühner geschlachtet, müssen Darm und Kropf leer sein. Die Hühner sollen 12 Stunden vor dem Schlachten kein Futter mehr aufnehmen können."
      - "Damit das Huhn nicht zu sehr gestresst und verängstigt wird, muss alles schnell gehen."
      - "Man kann auch ein Huhn töten, indem man es betäubt, seine Beine mit der linken Hand, den Hals mit der rechten Hand umgreift, dass der Kopf zwischen den beiden mittleren Fingern hervorsteht. Man dreht und beugt den Kopf des Huhns nach hinten, so lange, bis man fühlt, dass der Wirbel bricht."
      - Exkurs: Hähne, die stören, werden geschlachtet: "Mehrere geschlechtsreife Hähne stören das natürliche Hühnerleben. Sie sollten geschlachtet werden, um Stress zu vermeiden. Nicht alle Nachbarn akzeptieren das ständige Krähen."

  • z. B. https://www.huehner-info.de/forum/showthread.php/2996-Schlachtalter, 2005

    • < 3,5 Jahre alt: "Bisher waren meine Hühner so spätestens um die 3 1/2 Jahre alt beim schlachten."
    • bis zu 5 Jahre alt: "So lange die Hennen noch Eier legen, schiebe ich eine Schlachtung immer vor mich hin.
      Dann kommt es schon mal vor, daß ich 4-5 jährige Hühner haben, die dann allerdings ihr Gnadenbrot erhalten."
    • < 2 Jahre alt: "Bei einem größeren Stamm würde ich die Fausregel gelten lassen, die Legehennen nicht älter als 2 Jahre werden zu lassen."

  • z. B. https://www.huehner-info.de/forum/showthread.php/49027-Wann-sollten-Legehennen-geschlachtet-und-durch-neue-ersetzt-werden, 2012

    • "Wann sollte ich die Hühner vom wirtschaftlichen Aspekt her gesehen auswechseln (schlachten)?"
      -> vor der Mauser: "Wenn du durchgängig Eier haben möchtest, ohne größere Legepausen, und auf diese Eier angewiesen bist, dann solltest du die Hühner schlachten, bevor sie in die Mauserpause gehen."
      -> 4 Jahre alt: "Ich hab Zwerghennen verschiedenen Alters bis ins vierte Jahr, und bekomme derzeit jeden zweiten Tag so gut wie von jeder Henne ein Ei."

  • z. B. https://huehnerhof.net/haltung/huehnerfleisch-schlachtung-rupfen/

    • "Bei artgerechter Haltung werden die meisten Rassehühner rund 5 bis 7 Jahre alt."
    • Zur Legeleistung:
      "Bei Hennen lässt nach spätestens drei Jahren die Legeleistung merklich nach. Um die tägliche Eieranzahl konstant zu halten, sollten deshalb neue Hennen dazugekauft werden. Sind Platz und andere Mittel zur Haltung nur begrenzt verfügbar, ist eine Schlachtung der älteren Hennen die nächste Lösung. "

  • z. B. https://huehnerhof.net/haltung/schlachten/

    • Allgemeines zur Schlachtung von Hühnern:
      "Auch wer sich von Anfang an vornimmt, nie ein Huhn zu schlachten, wird spätestens nach der ersten Brut merken, dass eine Schlachtung nahezu unumgänglich ist. So kann etwa der Fall eintreten, dass bei der Brut zu viele Hähne dabei sind, für die sich keine Käufer*innen finden lassen. Eine Lösung ist, die überzähligen Hähne zu schlachten, ansonsten würden sich die Tiere ständig bekämpfen."

Kommerzielle Haltung (alles, was man in Läden oder an Ständen kaufen kann):

  • < 1,5 Jahre alt (betriebswirtschaftliche Gründe, ca. 10 - 15 Monate): "Die weiblichen Küken werden in der kommerziellen Eierproduktion über einen Zeitraum von ca. 18 Wochen aufgezogen, anschließend werden sie eingestallt, um ihrer Funktion als Legehuhn nachzukommen. Diese dauert ca. 15 Monate an, bis die Legeleistung nachlässt und sie geschlachtet und als Suppenhühner verkauft werden." (https://de.wikipedia.org/wiki/Legehenne, ...weitere Quellen angeben...)
  • Siehe auch Funktion der induzierten Mauser: de.wikipedia.org/wiki/Legehenne

Fische

Mehr zu Fischen als Lebewesen und Alternativen zu deren Verzehr

...im Aufbau...

"Ich bin Anwalt, aber meine eigentliche Passion ist das richtige Töten von Fischen" -> https://www.youtube.com/watch?v=TS4AM9mPX-8, 8 min, 2019, über 7 Millionen Aufrufe

...im Aufbau...

 

Schlachtmethoden bei Fisch-Siegeln

Welche Betäubungs- und Schlachtmethoden kommen bei empfohlenen Fisch-Siegeln zum Einsatz?

...im Aufbau... (bei den Labels anfragen)

Auswahl aus https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/essen-und-trinken/bio-fair-regional/labels/15610.html

Wildfang:

  • Naturland Wildfisch
  • Friend of the Sea
  • MSC (aus Umweltsicht nicht ausreichend)

Aquakultur:

  • ASC (aus Umweltsicht nicht ausreichend)
  • Bio-Aquakulturen (EU-Bio etc.)

Kommunikation: auf Alternativen hinweisen

Die Darstellung der Sachverhalte zur Schlachtung können bei Menschen (insbesondere wenn vorher nur wenig Kontakt mit dem Thema bestand) Betroffenheit und Ratlosigkeit auslösen. Wir empfehlen daher in der Kommunikation das Thema Schlachten bewusst mit praktischen Hinweisen zu schlachtfreien Alternativen zu ergänzen, die auf individueller Ebene durchgeführt werden können.

Hier sehen wir - neben politischem Engagement - die Beschäftigung mit den Möglichkeiten von tierproduktfreien Ernährungsstilen als effektives und gewinnbringendes Werkzeug an. Dies kann positiv unterstützt werden durch die alltagstaugliche Präsentation von attraktiven pflanzlichen Gerichten, z. B. in Form von Rezepten.

Trend-Rezept März 2021: Schoko-Hummus als Alternative zur kuhmilch-basierten Schokocreme.

Geschichten rund um das Schlachten

...im Aufbau... Eine lose Sammlung mit Alltagsbezug

In den Medien:

  • "Endlich wieder Bauer - Klasse statt Masse? | Doku | NDR | 45 Min", November 2020
    - Der Druck auf die Tierhalter steigt. Ein Beispiel.
    - 50 statt 400 Kühe zur Milchproduktion. Geschäft hat sich nicht mehr gerechnet.
    - Und: die Entwicklung Richtung Ausbeutung hat nicht seinem Selbstverständnis entsprochen.
    - Damals 2017: Mehr Kühe. Mehr Milch. Mehr Geld. Empfehlung des Bauernverbandes. Melken für den Weltmarkt.
    - Seelische Belastung.
    - ...
    - 34:28 min: "Rinder züchten und nach 3 Jahren schlachten, nur damit Menschen gut essen, das geht selbst ihm als erfahrenen Landwirt nah."
    - Der Landwirt gibt nur seinen Milchkühen Namen, die Fleischrinder bekommen bewusst keine Namen.
    - Die Kuh auf dem Weg zum Schlachter.
  • "Mein Kind ist Vegetarier - Die Wahrheit übers Schlachten - Eine Elternkolumne von Anna Clauß", 05.03.2021, Spiegel Online; der Artikel beginnt mit: "Warum töten Menschen Tiere, wollte mein Sohn kürzlich wissen? Weil sie gut schmecken, sagte ich. Keine überzeugende Antwort. Seitdem erzieht das Kind mich."

  • "Schweinestau in Großbritannien - Visa für 800 ausländische Schlachter" (tagesschau, 15.10.2021)

    • "Der Verband der Schweinezüchter National Pig Association warnte vor einer "akuten Tierwohlkatastrophe". 6000 gesunde Schweine seien auf den Bauernhöfen bereits gekeult worden." ("keulen" = töten)
    • "Britische Schweinebauern warnen, dass insgesamt rund 120.000 gesunde Tiere auf den Höfen getötet und in den Müll geworfen werden müssten, wenn sich die Situation nicht entspannt." (jeweils eigene Hervorhebung)
    • Feststellung: auch im "Normalfall" sind die Tiere gesund (sollten sie zumindest), wenn sie zur Produktion von Schweinefleisch getötet werden. Warum wird der Gesundheitszustand im Falle der "Not"-Tötung extra hervorgehoben?

Bücher:

Fiktionale/Filmische Verarbeitung:

Überlegungen

Schlachten, Gewalt und Maß halten

Schlachten ist ein Akt der Gewalt gegenüber dem einzelnen Tier. Im Zusammenhang mit dem Konsum von Tierprodukten wird oft der Begriff des Maßes verwendet, zum Beispiel: "Maß halten" oder "in Maßen genießen".

Zur Diskussion:

  • Was ist das rechte Maß, wenn es um die individuellen Leben von Tieren geht, die wir planmäßig mit Gewalt beenden?
  • Ist diese Form der Gewalt etwas, das wir bewusst auf das absolut notwendige Maß reduzieren sollten?
  • Sollte sie zum Thema gemacht werden? Und wenn ja, wie?

März - Oktober 2021, Quelle Introbild: E. Vogel  / pixelio.de

Aus dem Inhalt:

  • Einleitung
  • Wie schlachte ich richtig...
    - in Schlachthöfen (üblich)
    - anderswo (selten)
    - Bio?
    - "Der Tod gehört zum Leben." Und das Töten?
  • Schweine, CO2-Betäubung
  • Hühner
  • Fische
  • Schlachtung in der Kommunikation
  • Schlachtgeschichten
  • Gewalt: das rechte Maß finden

Weiterführend: