Nur noch in Ausnahmefällen auf den Acker - BUND fordert Photovoltaik auf bereits versiegelten Flächen

13. April 2023 | Energiewende, Klimawandel, Landwirtschaft, Lebensräume

Viele Kommunen planen Freiflächen-Photovoltaikanlagen, dabei haben sie ihr Potenzial von PV auf bereits versiegelten Flächen meist noch nicht einmal erfasst. Viel wichtiger wäre es, das politisch ausgehandelte Potenzial für den Bau von Windenergieanlagen auszuschöpfen.

Solarmodule werden auf einem Hausdach montiert. So geht Energiewende: Solarstrom vom Hausdach  (Greens MPs: Solar installer / Lizenz CC BY-NC-ND 2.0 / https://www.flickr.com/photos/52218251@N07/9180614416)

Für Photovoltaik-Anlagen gibt es nach Ansicht des BUND-Kreisverbandes Bergstraße mehr als ausreichend Platz auf Dächern, Parkplätzen und anderen bereits versiegelten Flächen. BUND-Kreisvorstandssprecher Gregor Mitsch: „Es ist nicht notwendig, Photovoltaik (PV) auf Acker- oder Grünlandflächen zu installieren.“

Zu wenig Flächen für Nahrungspflanzen

Nach Auffassung des BUND muss die Nutzung von Landwirtschaftsfläche für die Strom- und Energiegewinnung schon alleine deshalb unterbleiben, weil sowohl die Region Südhessen als auch Deutschland längst nicht mehr ausreichend Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung erzeugen können. Bei den derzeit herrschenden Ernährungsgewohnheiten bräuchte es dafür bundesweit rund 20 Mio. ha Landwirtschaftsfläche. Doch Deutschland hat nur noch 16,6 Mio. ha, von denen rund 3 Mio. ha für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden. BUND-Kreisvorstandssprecher Hans-Jürgen Roos: „Die bei uns nicht mehr zur Verfügung stehende Fläche nutzen wir dann in ethisch verantwortungsloser Weise anderswo auf dem Planeten, teilweise sogar in Hungerländern. Deshalb muss auch der Anbau von Energiepflanzen so schnell wie möglich zugunsten des Anbaus von Nahrungspflanzen beendet werden.“

Freiflächen-Photovoltaik verschärft Flächenmangel

Die Photovoltaik-Strategie von Bundeswirtschaftsminister Habeck sieht vor, dass die Hälfte aller PV-Anlagen auf Freiflächen installiert werden soll. So als wäre es gleichgültig, dass dann weitere rund 350.000 ha an Fläche der Nahrungsmittelproduktion verloren gingen. BUND-Kreisvorstandssprecher Mathias Ilka: „Im schlimmsten Fall werden dafür dann weitere Urwaldflächen in Brasilien abgeholzt, um Futtermittel für deutsche Tierhalter anbauen zu können. Ein Bärendienst für den Klimaschutz, dem PV-Anlagen doch eigentlich dienen sollen.“
Nach Auffassung des BUND wäre es viel wichtiger, der Windenergienutzung als der eigentlichen Säule der regenerativen Energiegewinnung mehr Aufmerksamkeit zu widmen. BUND-Kreisvorstandssprecher Hans-Jörg Langen: „Im Vergleich zu PV belegt Windenergie nur einen minimalen Teil von deren Fläche. Ein modernes Windkraftwerk liefert in etwa genauso viel Strom wie 10 ha Photovoltaik.“

Potenzial für Windenergie ist nicht ausgeschöpft

Im Kreis Bergstraße ist noch nicht einmal das politisch ausgehandelte Potenzial für den Bau von Windenergieanlagen ausgeschöpft und technisch ist noch weitaus mehr möglich. Stattdessen wird mittlerweile in fast jeder Kommune darüber nachgedacht, Freiflächen-PV-Anlagen in der Größenordnung zwischen 5 und 20 ha zu bauen. BUND-Kreisvorstandssprecher Guido Carl: „Dabei haben die Kommunen ihr Potenzial von PV auf den bereits versiegelten Flächen meist noch nicht einmal erfasst. Doch viel wichtiger wäre eine konsequente und offensive Strategie vor allem auch seitens der politisch verantwortlichen Kreisspitze, um Kommunen dazu zu veranlassen, ihr Windenergiepotenzial auszuschöpfen. Denn nur dadurch kann Landrat Christian Engelhardt die in seinem eigenen Klimaschutzkonzept gesetzten Ziele überhaupt erreichen.“

V.i.S.d.P.: Guido Carl, BUND Kreisvorstandssprecher

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