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Kreisgruppe Bergstraße

Kommunalpolitiker im vorderen Odenwald verhöhnen Vereinte Nationen

23. September 2015 | Flächenschutz

"Interkommunale Zusammenarbeit" lautet nach Ansicht des BUND-Kreisverbandes Bergstraße offenbar die neue Zauberformel, mit der die nächste Runde beim ungebremsten Flächenverbrauch eingeläutet werden soll. Ausgerechnet im von den Vereinten Nationen für 2015 ausgerufenen Internationalen Jahr des Bodens schicken sich die Gemeinden im vorderen Odenwald an, in großem Stil neue Flächen für Gewerbeansiedlung zu erschließen.

BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: "Interkommunaler Flächenfraß wäre eine ehrlichere Bezeichnung für das, was man da vorhat. Das ist der blanke Hohn gegenüber dem Anliegen der Vereinten Nationen, dem Bodenschutz absolute Priorität einzuräumen."

Mehr als 10 ha teilweise bester Ackerböden gegenüber den Mörlenbacher Einkaufsmärkten Edeka und Aldi sollen, wenn es nach den Vorstellungen der kommunalpolitisch Verantwortlichen in Lindenfels, Fürth, Rimbach und Mörlenbach geht, unter Beton und Asphalt verschwinden. Herwig Winter: "Unseren Mandatsträgern geht derzeit offenbar jegliches Gespür dafür ab, dass Ackerböden die Grundlage für unsere Ernährung darstellen."

Landwirtschaftliche Nutzflächen erscheinen nach wie vor wohlfeil angesichts der Möglichkeit, Nahrungsmittel für den europäischen Markt auch anderswo produzieren zu lassen. Die EU nutzt außerhalb Europas derzeit rund 640 Millionen Hektar Land. Das ist eineinhalb Mal so viel wie die Fläche aller 28 Mitgliedsstaaten zusammen. Dieses Land liegt in anderen Erdteilen, einschließlich China, der Mongolei, Russland, Brasilien und anderen Staaten, von denen einige nicht einmal ihre eigenen Staatsbürger mit Grundnahrungsmitteln und Gütern versorgen können.

Mehr als 90 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sind nach UN-Angaben direkt vom Boden abhängig. Der Boden speichert Kohlenstoff, Nährmineralien und Wasser und hat auch für die Artenvielfalt große Bedeutung. Boden ist eine bedrohte Ressource, die nur in sehr geringem Umfang nachgebildet wird. Dagegen gehen jedes Jahr weltweit etwa sechs Millionen Hektar an fruchtbarem Boden verloren. Als Ursachen nennen die Vereinten Nationen falsche landwirtschaftliche Nutzung, Verunreinigungen mit Schadstoffen und Überbauung. Gleichzeitig steigt der Bedarf an fruchtbarem Boden, denn das Bevölkerungswachstum führt zu einer erhöhten Nachfrage nach Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen. Nur ausreichend gesunde Böden können auf Dauer die Ernährung der Weltbevölkerung sichern.

Der BUND fordert deshalb von den politisch Verantwortlichen aller Entscheidungsebenen, dass sie dem ungebremsten Flächenverbrauch ein rasches Ende setzen. Nur wer Böden konsequent schützt statt versiegelt, schafft gerade auch für die Menschen in der Region eine dauerhafte Existenzgrundlage. Herwig Winter: "Daran darf sich im Internationalen Jahr des Bodens kein Politiker mehr vorbeimogeln."

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