Kreisgruppe Bergstraße

Klimaschutz erfordert ambitionierten Zeitplan und wirkungsvolle Lösungsansätze - Klimaneutralität ist nur mit Ausbau von Windenergie realisierbar

18. November 2021 | Energiewende, Klimawandel, Nachhaltigkeit

Der BUND Bergstraße freut sich über das vom Kreis vorgelegte Klimaschutzkonzept, fordert aber mehr Nutzung von Windenergie und den Ausbau von Photovoltaik auf Dächern und anderen versiegelten Flächen.

Solarstromanlage im Weiherhausstadion Bensheim  (BUND Bergstraße)

Der Kreisverband Bergstraße des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) freut sich über das vom Kreis vorgelegte Klimaschutzkonzept, sieht dabei aber noch erhebliche Defizite. „Die Potenziale zur Nutzung erneuerbarer Energieressourcen sind gut herausgearbeitet, die Vorbildfunktion des Kreises bei seinen eigenen Liegenschaften wird wahrgenommen“, lobt BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter zunächst das von Landrat Christian Engelhardt vorgelegte Klimaschutzkonzept, kritisiert dann aber: „Das Erreichen der kreisweiten Klimaneutralität ist die Hauptaufgabe, aber gerade hier lässt der politische Wille zu einem ambitionierten Zeitplan und zur Durchsetzung umfassender Lösungsansätze zu wünschen übrig“.

Mehr Windkraft nutzen

Einer der Knackpunkte ist die mangelnde Bereitschaft, die zur Verfügung stehenden Potenziale im Bereich der Windenergienutzung auszuschöpfen. Das ist aber die Voraussetzung dafür, dass man einen funktionierenden Energiemix aus Windkraft und Photovoltaik hinbekommt. Der BUND-Kreisverband Bergstraße erwartet deshalb von der Koalition aus Grünen und CDU im Kreistag, dass sie sich für eine rasche Revision des Teilplans „Erneuerbare Energien“ (TPEE) einsetzt, um ausreichend Vorranggebiete für Windenergienutzung auszuweisen. BUND-Kreisvorstandssprecher Guido Carl: „Vom Landrat erwarten wir, dass er sich gegenüber den Kommunen zum einen für die Nutzung der Windenergiepotenziale stark macht, zum anderen aber auch für den Ausbau von Photovoltaik auf Dächern und sonstigen bereits versiegelten Flächen wie Parkplätzen von Supermärkten.“ Im Übrigen wird in den Augen des BUND viel zu wenig die Notwendigkeit zur Energieeinsparung thematisiert. Auch bei den Themen Verkehrswende sowie Transformation der Landwirtschaft und der Ernährungsweise fehlen bislang Lösungsansätze.

Solarmodule auf versiegelten Flächen statt in der Natur

Keinesfalls darf es nach Auffassung des BUND dazu kommen, dass elementare Nachhaltigkeitsziele gegeneinander ausgespielt werden. Die Erhaltung der Biodiversität ist nach einhelliger Meinung wissenschaftlicher Experten von ebenso großer Bedeutung für den Fortbestand der menschlichen Zivilisation wie der Klimaschutz. Gleiches gilt auch für den Erhalt der regionalen Ernährungssicherheit. Das Klimaschutzkonzept jedoch sieht vor, dass auf 1.400 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche im Kreis Bergstraße Freiflächen-Photovoltaikanlagen errichtet werden sollen. Herwig Winter: „Das ist weder mit dem Ziel des Erhalts der Biodiversität vereinbar noch mit dem Ziel der Gewährleistung regionaler Ernährungssicherheit.“

Zu viele Pelletheizungen schaden dem Wald

Einen unrealistischen Ansatz im Klimaschutzkonzept sieht der BUND auch darin, dass 30 Prozent der Ölheizungen im Kreis durch Holzpelletheizungen ersetzt werden sollen. Dafür würde etwa die Hälfte des Holzzuwachses des gesamten im Kreis Bergstraße vorhandenen Waldes benötigt. Der BUND setzt sich demgegenüber dafür ein, dass der Wald mit seinen vielfältigen Schutzfunktionen erhalten wird und die Holzernte nicht in erster Linie zu Heizzwecken erfolgt, denn Holz ist ein wichtiger Werk- und Baustoff.
Guido Carl abschließend: „Nachhaltig lässt sich Klimaschutz nur dann machen, wenn man Energieeinsparung groß schreibt, PV in großem Umfang nicht auf Ackerflächen, sondern auf Siedlungs- und Verkehrsflächen installiert, vorhandene Windkraftpotenziale nutzt und Heizöl nicht alleine durch Holz ersetzt.“

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