Kreisgruppe Bergstraße

Flächenverbrauch ohne Maß und Ziel - BUND kritisiert Planungen des Einheitlichen Regionalplans Rhein-Neckar

06. Mai 2021 | Klimawandel, Lebensräume, Nachhaltigkeit

Geplant ist, dass in Wohnsiedlungen etwa 500 Hektar und in Gewerbegebieten über 300 Hektar betoniert und asphaltiert werden dürfen. Dabei will die Bundesregierung den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag verringern.

Böden sind eine endliche Ressource, die fortschreitende Versiegelung sollte beendet werden.  (BUND Bergstraße)

Der BUND-Kreisverband Bergstraße übt heftige Kritik an den Planungen von rund 500 ha neuen Wohnsiedlungs- und mehr als 300 ha Gewerbeflächen im Einheitlichen Regionalplan Rhein-Neckar (ERP). Das ist ein Zuwachs von über 20% gegenüber den bisher schon vorgesehenen 3.400 ha Siedlungsfläche bis 2035. „Man genehmigt sich erneut einen Riesenschluck aus der Pulle, so als ob die Flasche niemals leer werden könnte“, kommentiert BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter die Planung ohne Maß und Ziel. Mit Nachhaltigkeit, wie es auf der Homepage des Verbandes Region Rhein-Neckar allenthalben beschworen wird, hat das nach Auffassung des BUND jedenfalls nichts zu tun, denn die Flächen gehen zu Lasten von Natur und Landwirtschaft. BUND-Kreisvorstandssprecher Guido Carl: „Wer mehr als acht Quadratkilometer freie Fläche zusätzlich betonieren und asphaltieren möchte, hat die Grundlagen von Nachhaltigkeit nicht verstanden.“ Besonders kritisch sieht der BUND, dass der ERP sich nicht mit dem Ziel der Bundesregierung auseinandersetzt, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag verringern. So fehlen dem Papier sowohl eine quantitative Zielgröße zur Verringerung des Flächenverbrauchs als auch eine qualitative Aussage zur Erreichung einer nachhaltigen Flächenkreislaufwirtschaft.

Bodenschutz ist Klimaschutz

Böden stellen eine endliche, nicht regenerierbare Ressource dar, weshalb die fortschreitende Versiegelung mit Beton und Asphalt beendet werden muss. Ansonsten droht eine zunehmende Gefährdung der Ernährungsgrundlage nicht nur für uns Menschen, sondern auch für alles tierische Leben. Hinzu kommt die Bedeutung der Böden für den Erhalt und die Sicherung aller mit Pflanzen bewachsenen Landökosysteme. Auch für den Klimaschutz ist die dauerhafte Erhaltung von unversiegelten Böden unerlässlich. Denn Pflanzen entziehen der Atmosphäre CO2 und binden es, sie liefern außer Nahrungsmitteln auch Holz als Baustoff und regenerativen Energieträger. Die Böden selbst speichern den durch die Pflanzen gebundenen Kohlenstoff in großem Umfang und bilden dadurch den größten und damit wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Erde. Darüber hinaus gewährleisten sie die Grundwasseranreicherung und vieles andere mehr. Innerhalb des kommenden Jahrzehnts muss deshalb der Status einer Netto-Null-Neuversiegelungsrate erreicht werden. Was die Sicherung der Ernährungsgrundlage betrifft, sind insbesondere die wertvollen Böden in der Rheinebene unverzichtbar. Herwig Winter: „Es ist deshalb absolut nicht zu akzeptieren, dass die Planer zahlreiche Vorranggebiete für Landwirtschaft und Regionalen Grünzug in Vorranggebiete für Wohnsiedlungs- und Gewerbeflächen umwandeln wollen.“

Neue Gewerbeflächen im Weschnitztal

Dem Verband Region Rhein-Neckar gehört seitens des Bundeslandes Hessen nur der Landkreis Bergstraße an. Hier kritisiert der BUND insbesondere die Tatsache, dass den Planern die Bürgerentscheide gegen das Gewerbegebiet Nordost in Mörlenbach ebenso wie gegen das Interkommunale Gewerbegebiet südlich von Zotzenbach offenbar völlig gleichgültig sind. Für beide Gebiete bereitet die Planung die Ausweisung von Gewerbeflächen vor. BUND-Ortsbeauftragter Rainer Kühnel: „Haben die zuständigen Planer immer noch nicht begriffen, dass die Menschen vor Ort keine neuen Gewerbegebiete wollen?“

Abschließend weist der BUND darauf hin, dass alle Bürgerinnen und Bürger der Metropolregion bis zum 15. Juni 2021 online Stellung nehmen können zu der Planung unter dem Link https://beteiligung-regionalplan.de/vrrn/

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