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Kreisgruppe Bergstraße

Auf der Spur des „kleinen Zorro“

26. Juni 2019 | Lebensräume, Naturschutz

Lebt der gefährdete Gartenschläfer an der Bergstraße? Der BUND Bergstraße sucht mit Spurtunneln in Heppenheimer Weinbergen nach der Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“. Bürger*innen werden gebeten, Sichtungen zu melden.

Sabine Knapp vom BUND Bergstraße beim Anbringen eines Spurtunnels  (Franz Kehm)

Lebt der gefährdete Gartenschläfer an der Bergstraße? Dieser Frage geht in den nächsten Monaten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisverband Bergstraße auf den Grund. Sogenannte Spurtunnel, die kürzlich in den Heppenheimer Weinbergen angebracht wurden, sollen dabei helfen, der Schlafmaus mit der „Zorro-Maske“ - im wahrsten Sinne des Wortes - auf die Spur zu kommen. „Bislang wissen wir von naturkundigen Heppenheimern, dass Gartenschläfer bis Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Nordseite des Schlossbergs vorkamen“, so Sabine Knapp vom BUND Bergstraße. „Ob sie auch heute noch in Heppenheim vorkommen, wollen wir jetzt herausfinden.“

Spurtunnel mit Stempelkissen im Schlossberg

Die Methode ist denkbar einfach: Laufen die Tiere durch die Plastikröhren, treten sie auf ein „Stempelkissen“ und hinterlassen ihre Spuren auf einem Blatt Papier. Da der Gartenschläfer besondere Schwielen an seinen Pfoten hat, lassen sich seine Spuren gut von denen anderer Kleinsäuger unterscheiden. Die Aktion ist Teil des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“, das im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird.

Noch bis Oktober werden die Aktiven des Kreisverbands alle ein bis zwei Wochen die 20 an Bäumen und Sträuchern angebrachten Spurtunnel kontrollieren. „Eines Köders, um die Tiere anzulocken, bedarf es dabei nicht. Neugierig, wie sie sind, erkunden sie die Tunnel von selbst“, erklärt Susanne Schneider, Managerin Naturschutzprojekte beim BUND Hessen. „Wir freuen uns sehr auf die Untersuchung und hoffen, das Geheimnis um den kleinen Bilch zu lüften. Wir fühlen uns dabei ein bisschen wie Detektive bei der Arbeit“, so Susanne Schneider.

Jeder kann mitmachen!

Die BUND-Mitarbeiterin aus der Landesgeschäftsstelle ruft zudem die Bevölkerung dazu auf, gesichtete Gartenschläfer, die sich übrigens auch gerne in Vogelnistkästen einquartieren, möglichst mit Foto unter http://www.gartenschlaefer.de zu melden. „Jeder Hinweis hilft uns, dem kleinen Nager auf die Spur zu kommen“, betont Schneider.

Hintergrund

Der Gartenschläfer gibt Wissenschaft und Naturschutz große Rätsel auf. In Hessen geht es der Art zwar entlang der Flusstäler von Rhein und Main – insbesondere in Wiesbaden, dem Main-Taunus-Kreis und dem Kreis Groß-Gerau - nach derzeitigen Erkenntnissen noch vergleichsweise gut. Doch aus vielen Regionen Europas und Deutschlands ist die Art spurlos verschwunden. Warum, ist noch völlig unklar. Auch aus dem Odenwald, wo der Gartenschläfer früher häufig vorkam, gibt es aktuell nur den bereits erwähnten Nachweis aus Günterfürst.

Um Licht ins Dunkel zu bringen, starteten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung im Oktober 2018 die „Spurensuche Gartenschläfer“. Bis 2024 sollen eine umfassende Forschung und intensive Schutzmaßnahmen dabei helfen, die kleine Schlafmaus in großen Teilen ihres Verbreitungsgebiets in Deutschland zu erhalten. Dabei werden die Forscher von vielen Freiwilligen unterstützt, die neben den Spurtunnel auch Nistkästen kontrollieren sowie lokale Schutzmaßnahmen umsetzen. Dort, wo der Gartenschläfer als lästig empfunden wird – ob im Haus, Garten, im Wein- oder Obstbau – soll das Projekt zwischen Mensch und Tier vermitteln und zeigen, dass ein Zusammenleben gut möglich ist. Die betroffenen Akteursgruppen werden zum Dialog eingeladen und an der Erarbeitung des Schutzkonzepts beteiligt.

Der Gartenschläfer ist eine sogenannte ‚Verantwortungsart‘. Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes liegt hier, so dass Deutschland für die Erhaltung dieser Art in hohem Maße verantwortlich ist. Die Erforschung des Verschwindens des Gartenschläfers ist damit Teil der nationalen Anstrengungen für den Schutz der biologischen Vielfalt in Deutschland.

Weitere Infos

www.gartenschlaefer.de und

https://biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/29021

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