Informative Mitgliederversammlung

06. Mai 2026 | Artenschutz, Flächenschutz, Lebensräume, Naturschutz

Mit Ehrungen, einem Vortrag über Lichtverschmutzung, Rück- und Ausblick und einer Einschätzung zur Umweltpolitik des Landes bot die Mitgliederversammlung im Naturschutzzentrum ein facettenreiches Programm.

Rund 20 Personen sitzen an Tischen in einem großen Raum.  (Claudia Dirr / BUND Bergstraße)

Die Jahreshauptversammlung des BUND Kreisverbands Bergstraße am 24. April 2026 begann wie in jedem Jahr mit der Ehrung langjähriger BUND-Mitglieder. Erstmals konnte mit Karl Kerschgens ein Mitglied für 50-jährige Mitgliedschaft gewürdigt werden. Hannelore Andel, Matthias Knapp, Danielle und Gero Meder sowie Irmtraud Schneider erhielten Urkunden für ihre 40-jährige Unterstützung des BUND.

BUND-Nachtretter gegründet

Da Gabriele Weiß von der Ehrenamtlichen Wildvogelhilfe die Vorstellung ihrer Arbeit kurzfristig absagen musste, erklärte Vorstandssprecher Guido Carl in einem Bildvortrag das Ausmaß und die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf Tiere, Pflanzen und Menschen. Unter der fehlenden Dunkelheit leiden vor allem nachtaktive Tiere, dazu zählen zwei Drittel der Säugetiere, 50 Prozent der Insekten, 80 Prozent der Schmetterlinge und die meisten Amphibien. Sie orientieren sich normalerweise am Mondlicht (0,001 bis 0,3 Lux) und verlieren durch künstliche Lichtquellen (3 bis 30 Lux) Rhythmus und Orientierung. Aber auch tagaktive Tiere leiden, denn die nächtliche Beleuchtung raubt ihnen die Nachtruhe. Guido Carl berichtete, dass sich im Februar diesen Jahres in Heppenheim eine Gruppe bildete, die erreichen will, dass Kommunen, Unternehmen und Privatleute unnötige Lichtquellen zurückbauen und notwendige Beleuchtung tier- und pflanzenfreundlich gestalten. Dies gelingt mit abgeschirmten, blendfreien Leuchten in warmen Farben, die durch Bewegungsmelder und Zeitschaltuhren gesteuert werden. Die BUND-Nachtretter konnten als ersten Erfolg erreichen, dass in Bensheim die grell leuchtenden Stahler an einer Freifläche an der Lauter abgestellt wurden. Schnell kehrten nachtaktive Tiere zurück. Und die Vögel, die zuvor nachts gesungen hatten, sind wieder in der Morgendämmerung zu hören.

Bericht und Ausblick

Beim Vorstandsbericht wurden das Theater „Klima-Monologe“, das KlimaKino zu Flächenfraß und Lichtverschmutzung, das Schoko-Schlachthaus-Quiz, die Schulworkshops und die Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl hervorgehoben. Die Auseinandersetzung mit Plänen zur Bebauung wertvoller Naturräume gehört zu den alltäglichen Aufgaben, aktuell engagieren sich der Kreisverband und der Ortsverband Bensheim gegen das geplante interkommunale Gewerbegebiet zwischen Bensheim und Lorsch.

Guido Carl stellte außerdem einige Projekte vor, mit denen sich der Kreisverband in den nächsten Monaten beschäftigen will. Dazu zählen die Pflege der Streuobstwiese in Lorsch und die Biotopentwicklung in einem Weinbergsgrundstück in Heppenheim. Außerdem muss der Verband sich Gedanken über die weitere Nutzung der Photovoltaikanlage in Bensheim-Zell machen, denn in wenigen Jahren endet der Einspeisevertrag. Eine interessante Idee wäre die Gründung einer Bürger-Energie-Gemeinschaft. Für die Vorhaben sucht der Vorstand dringend Leute, die an der einen oder anderen Stelle aktiv werden wollen.

Umwelt- und Naturschutz in der Landespolitik

Abschließend gab der BUND-Landesvorsitzende Jörg Nitsch einen kurzen Überblick, wie es aktuell um den Umwelt- und Naturschutz in Hessen bestellt ist. Zunächst erklärte er, dass während der zehnjährigen schwarz-grünen Koalition durch Ministerin Hinz einige Projekte gut vorangebracht worden waren. So wurden flächendeckend Landschaftspflegeverbände und Ökomodellregionen gegründet und es gab Gelder für das Grüne Band und den Nationalpark Kellerwald. Die neue Regierung hat einige Entscheidungen der Vorgängerregierung gestoppt oder aufgehoben, zum Beispiel die Umwandlung von Naturwaldentwicklungsflächen in Naturschutzgebiete, den Einschlagstopp bei älteren Buchen in Natura 2000 Gebieten und die Ökomodellregionen. Problematisch ist auch, dass die Bejagung von Kormoran, Biber, Hermelin, Baummarder, Mauswiesel und Iltis vereinfacht wird. Beim Klimaschutz wurden Gelder für Projekte gekürzt, im Klimagesetz verbindliche Vorgaben gestrichen. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) kann wegen des eingeschränkten Budgets seine gesetzlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen. Als wichtigen Schritt gegen die negative Entwicklung wertete Jörg Nitsch die Gründung des Bündnisses „Gemeinsam Klimaschutz in Hessen retten“, ihm gehören neben dem BUND die Paritäter, DGB, Evangelische Kirche, ADFC, VCD, Landfrauen und der Bundesverband Windenergie an.

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