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Kreisgruppe Bergstraße

"Stieleichen und Buchen wachsen auch auf trockenen Standorten"

27. April 2015 | Hessisches Ried Wälder

Seit Jahrzehnten leiden Wälder im Hessischen Ried auf einer Fläche von nunmehr mindestens 10000 Hektar unter den gravierenden Folgen der Grundwasserabsenkung. Hauptursache ist der seit den 1960er Jahren erfolgte Bau und Betrieb von Großwasserwerken zur überörtlichen Versorgung des Ballungsraumes Rhein-Main. Elementar betroffen sind die von der EU ausgewiesenen Natura 2000-Schutzgebiete mit Lebensraumtypen der Leitbaumarten Stieleiche und Buche.

Hessenweit ist insbesondere der Lebensraumtyp der Stieleichen-Hainbuchen-Wälder von Bedeutung, der ohne Grundwasseranschluss auf Dauer nicht existenzfähig ist. Aufgrund der besonderen hydrogeologischen Bedingungen konnte sich dieser Lebensraumtyp in seiner großräumigen Ausprägung über die zurückliegenden 300 Jahre nahezu nur im Ried entwickeln. Das Land Hessen ist der EU gegenüber zwingend zu seiner Erhaltung verpflichtet.

Keinesfalls darf der von Hessen-Forst praktizierte und dem EU-Recht zuwider laufende Umbau zu dominierenden Nadelbaumforsten fortgesetzt werden. Als erste Maßnahme und wo immer möglich, ist nach Ansicht des BUND die Anhebung des Grundwasserspiegels zur Erhaltung der bedrohten Waldlebensräume erforderlich; auch in den übrigen Waldbereichen kann und muss ein laubbetonter Mischwald das Bewirtschaftungsziel bleiben.

BUND-Exkursion in Trockenwaldbereiche

Bei der BUND-Exkursion wurden Waldbereiche besucht, die nie Grundwasseranschluss hatten. Deren zukünftige Entwicklung ist ausschließlich und unmittelbar vom aktuellen Witterungsgeschehen abhängig. Sie sind zwar grundsätzlich und auf Dauer einem signifikant höheren Entwicklungsrisiko unterworfen als Wälder mit gesichertem Grundwasseranschluss.  Dass aber auch in diesen Wäldern Laubbäume wachsen und vital sein können, demonstrierte der BUND-Forstexperte Henner Gonnermann im Rahmen einer BUND-Exkursion, die durch das Naturschutzgebiet “Glockenbuckel“ bei Viernheim führte.

Den rund fünzehn Teilnehmern fielen immer wieder Eichen und Buchen auf, die sich trotz ihres Standortes teilweise auf Sanddünen ausgesprochen vital erweisen. Es liegt deshalb nahe, bei den Maßnahmen zur Waldsanierung auf Trockenstandorten Saat- und Pflanzgut von Bäumen einzusetzen, die auf vergleichbaren Extremstandorten aufgewachsen sind.

Dem steht derzeit aber eine Rechtslage entgegen, wonach forstliches Saatgut nur von zertifizierten Beständen gewonnen werden darf. Diese finden sich regelmäßig nur auf Standorten mit optimaler Nährstoff- und Wasserversorgung. Somit ist eine die Eignung von daraus gewonnenen Sämlingen für Trockenstandorte im hessischen Ried höchst zweifelhaft. Dieser Aspekt erhält nach Meinung des BUND-Forstfachmannes deshalb eine hohe Bedeutung, weil es sich bei den Bäumen um unverfälschte Wildformen handelt. Ihr genetisches Anpassungspotenzial ist somit weitaus größer als beispielsweise bei landwirtschaftlichen Nutzpflanzen.

Vitale Sekundärkronen bei Wasserstress

Den Besuchern wurde ein Waldbereich gezeigt, in dem vom Wasserstress betroffene Bäume mit der Ausbildung von vitalen Sekundärkronen am tieferen Stammabschnitt reagieren. Sie sind für die forstliche Nutzung weitgehend entwertet, können aber - so die Erwartung des BUND - über Jahrzehnte noch ihre Naturschutzfunktion erfüllen, bis diese von nachrückenden Baumgenerationen übernommen werden kann. Der BUND fordert deshalb die Festlegung eines differenziert befristeten Nutzungsmoratoriums anstelle einer forstlich forcierten Restnutzung.

Im Ergebnis fordert der BUND eine Abkehr von der einseitigen Nadelholz-Risikowirtschaft. Dies gilt auch für die heimische Baumart Kiefer, deren flächenhaftes Absterben von Reinbeständen in jungem Alter bei starkem Mistelbefall im Ried bereits dokumentiert ist. Dagegen ist die Kiefer waldbaulich sinnvoll in artenreiche Mischwälder zu integrieren, auf Basis einer Palette von heimischen Laubbaumarten, die sich im Ried oder auf vergleichbaren Risikostandorten andernorts durch Selektion als standortfähig erwiesen haben.

Runder Tisch: Grundwasseranhebung ist sinnvoll

In den zurückliegenden 2 Jahren hat der BUND an einem von der Landesregierung eingesetzten Runden Tisch zur Sanierung der Riedwälder teilgenommen und durch Einbringung von umfangreichem Sachverstand Wege aufgezeigt, wie durch Anhebung des Grundwasserspiegels in den Absenkungsgebieten für die Erhaltung der bedrohten Waldlebensräume der Grundwasseranschluss wieder hergestellt werden kann. Damit würde einer Risikovorsorge für die erwartete Verschärfung des Klimawandels Rechnung getragen.

Das Wuchspotential aus dem Grundwasser ist Voraussetzung für ein Baumwachstum, bei dem so früh wie möglich die notwendigen Baumstärken erreicht werden, wie sie für die bedrohten Arten - Fledermäuse, Insekten, Höhlenbrüter - als Lebensraum Voraussetzung sind. Der BUND erwartet vom Hessischen Landtag und der Landesregierung eine zügige Umsetzung aus der Abschlussempfehlung zum Runden Tisch.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Sanierung der Grundwasserverhältnisse nicht kurzfristig wirksam werden können. Um so mehr ist es notwendig, dass die noch vorhandene, naturschutzfachlich wertvolle Waldsubstanz an älteren Eichen und Buchen als Lebensraum bedrohter Arten so lange wie möglich erhalten bleibt.

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