Kreisgruppe Bergstraße

Spatenstich macht Versäumnisse der Vergangenheit offenkundig - BUND erwartet von der Politik ein Umdenken zugunsten zeitgemäßer Planungen

23. Oktober 2020 | Landwirtschaft, Lebensräume, Mobilität, Naturschutz

Der BUND erwartet, dass der Bundesverkehrsminister bei der Fortführung der B 38 a hinter Mörlenbach Lehren aus der überlangen Planungsdauer zieht und aufhört, Planungsmaßstäbe aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchsetzen zu wollen.

Mit einiger Verwunderung nimmt man seitens des BUND-Kreisverbandes Bergstraße zur Kenntnis, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für die Ostvariante der B 38 a nun 95 Mio. Euro auszugeben bereit ist. BUND-Kreisvorstandssprecher Guido Carl: „95 Millionen sind ziemlich genau die Summe, die vor fünf Jahren niemand ausgeben wollte, um mit dem Bau einer umweltverträglichen Untertunnelung Mörlenbachs zu beginnen. Dann hätte man statt eines ersten Spatenstichs jetzt schon ein Band durchschneiden und die Umgehung eröffnen können.“ Beim BUND erwartet man, dass der Bundesverkehrsminister bei der Fortführung der B 38 a hinter Mörlenbach Lehren aus der überlangen Planungsdauer zieht und aufhört, Planungsmaßstäbe aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchsetzen zu wollen.

Enttäuschung über grünen Verkehrsminister

Besonders enttäuscht ist man beim BUND über die Äußerungen des grünen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir. Mit keinem Wort geht er darauf ein, weshalb es so großen Widerstand nicht nur des BUND gegen die nun im Bau befindliche Trasse gab, obwohl die gleichen Konflikte für die folgenden Ortsumgehungen schon jetzt auf dem Tisch liegen. Stattdessen spricht Al-Wazir von der großartigen Entlastung der Gemeinde Mörlenbach vom Durchgangsverkehr, ohne zu erwähnen, dass dies auf Kosten der Anwohner an der L 3120 in den Ortsteilen Weiher und Kreidach geht und dass die Entlastung auch mit einer Untertunnelung erreichbar gewesen wäre. Darüber hinaus versucht der Verkehrsminister, die Natureingriffe schön zu reden mit dem Hinweis, dass es umfangreiche landschaftspflegerische Begleit- und Ausgleichsmaßnahmen gebe. Dem Fass den Boden schlägt allerdings nach Ansicht des BUND Al-Wazirs Bemerkung aus, dass mit Umgehungen wie in Mörlenbach Autobahnen wie die A 49 vermieden werden könnten. BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Um zu erklären, dass er die Pest für besser hält als die Cholera, braucht es keinen Grünen als Verkehrsminister.“

Landwirtschaft verliert 20 Hektar Nutzfläche

Ungehalten ist man beim BUND auch über das von Landrat Christian Engelhardt zum Ausdruck gebrachte ungebrochene Verhältnis zum Straßenbau mitten durch unberührte Landschaften. Guido Carl: „Der Landkreis schmückt sich auf Betreiben des Landrats mit dem Titel ‚Nachhaltiger Kreis Bergstraße‘. Dem Landrat scheint aber entgangen zu sein, dass Flächenversiegelungen dem Klimaschutz widersprechen und Verluste an landwirtschaftlicher Nutzfläche den Infarkt für die Ernährungssicherheit vorantreiben.“ Alleine durch die derzeit in Bau befindliche B 38 a werden der örtlichen Landwirtschaft rund 20 ha Nutzfläche dauerhaft entzogen, rund 3 ha werden voll versiegelt. Herwig Winter: „Es mag Argumente für den Bau neuer Straßen geben, Nachhaltigkeit ist aber hier eindeutig keines davon. Die dauerhafte Zerstörung bislang unberührter, Kohlenstoff speichernder Böden und intakter Ökosysteme ist genau das Gegenteil einer Politik der Nachhaltigkeit und in Anbetracht der Klimaentwicklung und zunehmender Katastrophen verantwortungslos."

V.i.S.d.P.:
Herwig Winter, BUND-Kreisvorstandssprecher

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