Kreisgruppe Bergstraße

Schutz der Altbuchenbestände im Rimbacher Wald - BUND fordert zügige Umsetzung eines Gerichtsurteils zugunsten von FFH-Gebieten

31. August 2020 | Lebensräume, Naturschutz, Wälder

Ein Gerichtsurteil stärkt den Naturschutz in FFH-Gebieten. Demnach müssen vor Baumfällungen Verträglichkeitsprüfungen durchgeführt werden, an denen die Umweltverbände zu beteiligen sind.

Alte Buchen im FFH-Gebiet Tromm  (Rainer Kühnel)

Das Oberverwaltungsgericht Bautzen hat in Bezug auf die Forstwirtschaft in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten ein weitreichendes Urteil gefällt, das auch Auswirkungen auf den Trommwald haben könnte. Das Gericht stellte in einem Präzedenzfall klar, dass mit Ausnahme der begründeten Maßnahmen der Verkehrssicherung keine Baumfällungen ohne Verträglichkeitsprüfungen nach der Maßgabe der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie durchgeführt werden dürfen. Bereits vor dem Eingriff sind die örtlichen Umweltverbände zu beteiligen. Beim Kreisverband Bergstraße im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist man gespannt, mit welchen Maßgaben die Oberste Forstbehörde Hessens versuchen wird, dem Gerichtsurteil gerecht zu werden. Der seitens der Forstämter vielfach praktizierte Grundsatz „Nutzung vor Entwertung“ darf jedenfalls nach Auffassung des BUND zumindest in FFH-Gebieten nicht weiter zur Anwendung kommen.

Trommwald unter europäischem Schutz

Die Gemeinde Rimbach fordert der BUND auf, vorerst den Einschlag bei den Buchen im FFH-Gebiet auszusetzen. Wenn der Holzeinschlag in den Buchenaltbeständen jetzt fortgesetzt wird, ist eine Destabilisierung zusätzlich zu den Auswirkungen des Klimawandels nicht zu vermeiden. Im Januar 2008 war das Waldgebiet an den Trommhängen unter besonderen Schutz gestellt worden. Im Rahmen der EU-Verordnungen über Natura 2000 Gebiete entstand das FFH-Gebiet Tromm. Es umfasst ca. 320 Hektar besonders schützenswerten Buchenwald und damit den überwiegenden Teil der gesamten Gemeindewaldfläche Rimbachs.

Nicht nur die beiden letzten trockenen Sommer, sondern auch die Ausdünnung der Buchenbestände dem Wald schwer zugesetzt. Es deutet vieles darauf hin, dass eine zu starke Freistellung der Buchen, also eine zu starke Auflockerung des Kronendaches, unter den neuartigen klimatischen Bedingungen zur Schwächung der Altbuchenbestände beiträgt. Das ist besonders am Südwesthang der Tromm auf Zotzenbacher Gemarkung zu beobachten. Alleinstehende Buchen vertragen zu starke Sonneneinstrahlung am Stamm nicht und sterben ab. Das typische Waldinnenklima verschwindet und der Boden trocknet weiter aus. Die Bodenverdichtung durch schwere Holzerntemaschinen tut ihr Übriges. Die Entnahme nur gering geschädigter Bäume nach dem Grundsatz „Nutzung vor Entwertung“ sollte nach Auffassung des BUND unbedingt unterbleiben.

Bewirtschaftungsplan fordert Strukturvielfalt

Im Bewirtschaftungsplan des Regierungspräsidiums Darmstadt heißt es: „Die im FFH-Gebiet „Tromm“ vorhandene Strukturvielfalt der verschiedenen Waldtypen soll großflächig erhalten bleiben und nach Möglichkeit weiter gefördert und verbessert werden. Die Förderung und Verbesserung des Strukturreichtums hat Buchenwälder mit naturnahem Bestandsaufbau zum Ziel, in denen auch die charakteristischen Arten dieses Lebensraumtyps geeignete Habitate finden. Wesentliche Merkmale naturnaher Buchenwälder und günstiger Habitatstrukturen sind horizontale und vertikale Schichtung, das Nebeneinander unterschiedlicher Altersklassen bzw. Waldphasen, hohe Altholz- und Totholzanteile sowie eine hohe Zahl an Höhlenbäumen und anderen Biotopbäumen.“ Dieses Leitbild und das „Verbesserungsgebot“ sieht der BUND massiv gefährdet, insbesondere was den hohen Altholzanteil und die hohe Zahl an Biotopbäumen betrifft. Gerade Letzteres müsste bedeuten, dass kranke Bäume nicht gefällt werden, da sie in ihrem oft viele Jahre dauerndem Niedergang noch Biotop für viele Tier- und Pflanzenarten sind, bevor sie letztendlich zusammenbrechen und zu Humus zersetzt werden.

Wald für die Nachwelt sichern

Im FFH-Gebiet Tromm darf daher nach Auffassung des BUND die wirtschaftliche Verwertung nicht im Vordergrund stehen. Nicht nur, weil es dem Leitbild des Schutzgebietes widerspricht, sondern weil insbesondere die Gemeinde Rimbach als Eigentümerin des Waldgebietes den Schutz des Waldes vor die ohnehin nicht lukrative Holzvermarktung stellen sollte. Laut Rimbacher Haushaltsplan 2020 ist das aktuelle Forstjahr im Gemeindewald mit einem Verlust von ca. 46.000 € angesetzt. Das Ergebnis des Forstjahres 2018 brachte einen Verlust von ca. 39.000 €. Es wäre also auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erwägen, ob man den Holzeinschlag nicht auf ein Minimum reduziert, um den Wald der Nachwelt zu erhalten. Dafür wurden Schutzgebiete schließlich eingerichtet.

Standortvorteil für Rimbach

„ Rimbach tut gut“ ist der Slogan der Gemeinde. Dazu gehört mit Sicherheit auch das große Waldgebiet der Tromm, mit dem Rimbach werben kann. Bislang konnte man sich seitens der Verwaltung aber nicht einmal dazu aufraffen, die im Bewirtschaftungsplan vorgeschriebenen Hinweisschilder für das FFH-Gebiet an den Zugängen des Waldes aufzustellen. Dabei liegt es auf der Hand, dass ein naturbelassener und weitgehend intakter Buchenwald ein weitaus größerer Standortvorteil für Rimbach ist als z.B. der Neubau des Ireneturms.

Die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt als primär zuständige Behörde für die nötigen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen, hat für das Gebiet den landeseigenen Betrieb Hessen-Forst, Forstamt Lampertheim, mit der lokalen Betreuung beauftragt. Gleichzeitig fungiert das Forstamt Lampertheim, als Dienstleister für die Gemeinde Rimbach. Hessen-Forst ist damit Bewirtschafter und Aufsichtsbehörde in Personalunion. Diese Konstellation darf nach Ansicht des BUND zumindest hinterfragt werden.

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