Vorstandssprecher Guido Carl begrüßt das Publikum im Saalbau-Kino.
(Michaela Haas / BUND Bergstraße)
Die KlimaKino-Veranstaltung des BUND Bergstraße am vergangenen Samstag im Saalbau-Kino in Heppenheim widmete sich dem Thema Flächenversiegelung mit dem Film „Das Ende der Neubaugebiete - Wohnraum ohne Naturzerstörung“ und einer Diskussionsrunde mit zwei Experten. Anlass dazu war die derzeit laufende frühzeitige Beteiligung am Entwurf des neuen Regionalplans Südhessen. Der BUND ermutigte die Besucher, sich auch selbst ein Bild von der Planung zu machen und den Umweltverbänden Hinweise auf Fehlentwicklungen zu geben.
Der Regionalplan legt für zehn Jahre fest, wie viel Fläche die Kommunen in Südhessen in Bauland umwandeln können. Noch bis Ende November können Bürger und Verbände Einsicht in die Unterlagen nehmen und bis Mitte Dezember Einwendungen einreichen. Auch der BUND Kreisverband Bergstraße hat zusammen mit den Ortsverbänden Bensheim und Viernheim das Planwerk zur Siedlungs- und Gewerbeentwicklung analysiert und kritische Einwendungen formuliert.
Täglicher Flächenverlust so groß wie 73 Fußballfelder
In der Dokumentation aus der Reihe SWR Wissen spricht der Filmemacher Jörg Wolf mit Bürgermeistern, Bodenschützern, Raumplanern und Architekten. Im badischen Weinheim trifft er Oberbürgermeister Manuel Just, der unter dem Druck der steigenden Nachfrage nach Wohnraum mit dem Stadtparlament Neubaugebiete entwickelt, und Ingrid Hagenbruch, die um jeden Quadratmeter Ackerboden kämpft. Die Vorsitzende des Bundesbündnisses Bodenschutz bezeichnet den Boden als wichtigste Lebensgrundlage und besten Klimaschützer und prangert an, dass die Menschen in den letzten 50 bis 60 Jahren so viel Fläche versiegelt hätten wie alle Generationen davor. Die Zuschauer erfahren, dass in Deutschland jeden Tag eine Fläche so groß wie 73 Fußballfelder verbraucht wird und der Flächenfraß auf dem Land wegen der geringer verdichteten Wohn- und Gewerbegebiete besonders groß ist. Eine Umfrage des Bundesinstituts für Raumordnung und Stadtentwicklung unter 700 Kommunen kommt zu dem Ergebnis, dass es im Innenbereich von Siedlungen genug Flächen gibt, um das Wohnraumproblem zu beheben: Baulücken könnten kreativ genutzt, Leerstände reaktiviert und Häuser aufgestockt werden. Die Doku präsentiert dazu Beispiele und macht deutlich: Anreize durch die Politik würden die Nutzung des Bestands und damit die Flächeneinsparung attraktiver machen. Solange Wohnraum in Neubaugebieten günstiger, unkomplizierter und schneller realisiert werden kann, wird sich wenig ändern.
Enormer Siedlungsdruck in der Metropolregion
Nach der Filmvorführung begrüßte BUND-Vorstandssprecher Guido Carl zunächst Ingrid Hagenbruch aus Weinheim, Protagonistin der Doku. Die Bodenschützerin ist überzeugt, dass bürgerschaftliches Engagement wirkt, das Bundesbündnis habe bisher 42 Hektar landwirtschaftliche Fläche retten können. Hagenbruch kritisierte den Entwurf des neuen Regionalplans, der sich einerseits zum Klimaschutz und zur nachhaltigen Nutzung von Boden, Wasser und Luft bekennt, andererseits aber die Bodenzerstörung von 5.500 Hektar neuer Fläche zulässt. Die Gesprächsrunde wurde durch Werner Eck, den Vorsitzenden des NABU Bensheim/Zwingenberg ergänzt, der sich ebenfalls mit dem Regionalplan auseinandergesetzt hat. Er erklärte, dass mehrere Kommunen mit den Vorgaben des Plans nicht einverstanden seien und wegen des enormen Siedlungsdrucks noch mehr Flächen für den Wohnungsbau beanspruchten. Der Regionalplan sehe zwar das Prinzip Innenentwicklung vor Außenentwicklung vor, die Gemeinden seien aber nicht daran gebunden. Als ermutigendes Beispiel hob Ingrid Hagenbruch die Stadt Landau hervor, die eine Leerstandsmanagerin eingestellt hat. Guido Carl zeigte einen Kartenausschnitt des neuen Regionalplans und verwies bei der Erläuterung auf das von Heppenheim beschlossene 16 Hektar große Gewerbegebiet Margaretengut im Westen der Stadt. Die Diskussion endete mit dem Appell an die Zuhörer, als Bürger unbequem zu werden und die kommunalen Politiker auf flächenschonendes Planen anzusprechen.