Kreisgruppe Bergstraße

Nachhaltigkeit bedeutet konsequenten Boden- und Klimaschutz - BUND und Kreislandwirt fordern Stopp der Flächenversiegelung und Ausbau von Erneuerbaren

10. Juni 2020 | Klimawandel, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Landwirtschaft

Eine Gesellschaft kann nur dann auf Dauer existieren, wenn sie sich mit ihrer Wirtschaft und ihren sozialen Bedürfnissen innerhalb der planetaren Grenzen bewegt. Der Nachhaltigkeitsbeirat wird nicht umhin kommen, für den Kreis Bergstraße die Grenzen des Wachstums zu definieren.

Bauvorhaben gefährden wertvolle landwirtschaftliche Flächen  (Claudia Dirr)

Nachhaltigkeit erfordert die Anerkennung der Tatsache, dass unser Planet ein begrenzter Raum ist mit ebenso begrenzten Ressourcen. Darin sind sich die Vertreter des BUND-Kreisverbandes Bergstraße mit den Vertretern der Landwirtschaft im von Landrat Christian Engelhardt ins Leben gerufenen Nachhaltigkeitsbeirat einig. Eine Gesellschaft hat nur dann Aussicht, auf Dauer existieren zu können, wenn sie sich mit ihrer Wirtschaft und ihren sozialen Bedürfnissen innerhalb der auf der Erde vorhandenen Grenzen bewegt. BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Wer in einem solchen Umfeld unbegrenztes Wachstum anstrebt, hat keine Zukunft.“

Der Nachhaltigkeitsbeirat wird also nicht umhin kommen, für den Kreis Bergstraße die Grenzen des Wachstums zu definieren. Zu den endlichen und damit klar begrenzten Ressourcen gehören landwirtschaftliche Nutzflächen. Sie sind die eigentliche Lebensgrundlage für die Menschen in der Region, denn nur auf fruchtbaren Böden lassen sich Lebensmittel in ausreichender Menge und Qualität erzeugen. Kreislandwirt Sebastian Glaser: „Es ist das genaue Gegenteil von Nachhaltigkeit, ständig neue Ackerflächen mit Beton und Asphalt zu überziehen. Bereits einem Grundschulkind ist klar, dass das auf Dauer nicht funktionieren kann.“

Flächenversiegelung steigert Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten

In den Jahren 1992 bis 2012 hat die Landwirtschaftsfläche bundesweit um rund 860.000 ha abgenommen, was fast der gesamten Landwirtschaftsfläche Hessens entspricht, die 2015 noch 884.500 ha umfasste. Die Vereinten Nationen machen die Zukunftsfähigkeit einer Nation unter anderem daran fest, ob sie dauerhaft in der Lage ist, die in ihr lebenden Menschen auf der Basis der im Land zur Verfügung stehenden Agrarflächen ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Sebastian Glaser: „Städte und Kommunen, die ihr Heil in immer neuen Flächenausweisungen für Siedlungs- und Gewerbegebiete suchen, vergrößern zunehmend die Abhängigkeit der EU von Nahrungsmittelimporten aus den Entwicklungsländern und exportieren so den Hunger dorthin. Die EU nutzt derzeit außerhalb Europas bereits rund 640 Mio. Hektar Land. Das ist fast vier Mal so viel wie die Agrarfläche aller ehemals 28 Mitgliedsstaaten zusammen.“

Böden binden und speichern Treibhausgase

Fatal ist diese Entwicklung aber auch vor dem Hintergrund, dass unversiegelte Böden in Europa stets von Vegetation bedeckt sind und somit einen zentralen Faktor bei der Bindung und Speicherung des Treibhausgases Kohlendioxid darstellen. Sie sind somit für den Klimaschutz unerlässlich. BUND-Kreisverstandssprecher Guido Carl: „Unabdingbar für die Einhaltung der Klimaschutzziele sind aber auch ein deutlich geringerer Energieverbrauch, der Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger und der konsequente Ausbau der Nutzung regenerativer Energieressourcen.“

Konsequenter Ausbau von Solar- und Windenergie ist notwendig

Der Kreis Bergstraße ist derzeit weit von einer CO2-Neutralität entfernt. Um sie zu erreichen, müssen ergänzend zur Energieeinsparung alle Möglichkeiten genutzt werden, die regenerative Energieressourcen bieten. Dazu sind auch die Potenziale an Wind- und Solarenergie auszuschöpfen. Guido Carl: „Nur die Dächer von kreiseigenen Liegenschaften mit Photovoltaik zu bestücken reicht auch nicht ansatzweise, um beim Klimaschutz nachhaltig zu werden.“

Wenn es Landrat Christian Engelhardt wirklich ernst ist mit der Nachhaltigkeit für den Kreis Bergstraße, dann kommt er nach Auffassung von Landwirten und Naturschützern nicht an einem Stopp der Flächenversiegelung und an einem konsequenten Ausbau von Solar- und Windenergie vorbei.

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