Schutz für Igel und Co - BUND begrüßt Nachtfahrverbot für Mähroboter im Kreis Bergstraße

01. Juli 2026 | Artenschutz, Lebensräume, Naturschutz

Sie arbeiten leise, effizient und vollautomatisch – doch für dämmerungs- und nachtaktive Kleintiere sind sie eine tödliche Gefahr: Mähroboter. Der BUND Ortsverband Bensheim und der Kreisverband Bergstraße machen auf die ab sofort gültige Allgemeinverfügung des Kreises Bergstraße aufmerksam.

Braunbrustigel im Gras Igel sind in vielen hessischen Gärten daheim.  (Herwig Winter)

Viele Gartenbesitzer lassen ihre Mähroboter bewusst nachts laufen, um den Rasen tagsüber ungestört nutzen zu können. Was gut gemeint ist, endet für viele Wildtiere fatal. Allen voran ist der ohnehin stark gefährdete Igel betroffen. „Igel flüchten bei Gefahr nicht, sondern rollen sich zusammen“, erklärt Volker Massoth, Vorstandssprecher beim BUND Bensheim. „Die Sensoren der meisten Mähroboter erkennen die kleinen Stachelkugeln nicht oder zu spät. Die scharfen Klingen verursachen schreckliche Schnittwunden, die für die Tiere meist qualvoll tödlich enden.“ Neben Igeln sind auch Amphibien wie Erdkröten, Blindschleichen und nützliche Insekten von den nächtlichen Mähfahrten betroffen.

Das gilt ab sofort im Kreis Bergstraße

Die Allgemeinverfügung des Kreises setzt hier klare Grenzen, um die heimische Fauna zu schützen. Das Verbot ist rechtlich bindend und gilt für das gesamte Kreisgebiet.

  • Verbotszeitraum: Der Betrieb von Mährobotern ist von der Abend- bis zur Morgendämmerung verboten.
  • Gültigkeit: Das Verbot gilt für alle privaten und öffentlichen Grünflächen.
  • Konsequenzen: Verstöße gegen die Allgemeinverfügung können als Ordnungswidrigkeit mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Den Garten igelfreundlich gestalten

Der BUND appelliert an alle Gartenbesitzer, die Programmierungen ihrer Mähroboter umgehend anzupassen, und ruft dazu auf, Gärten naturnah zu gestalten. „Ein perfekt englischer Rasen bietet ohnehin kaum Lebensraum“, so Lydia Kloos, Vorstandssprecherin des BUND Bensheim. „Wir laden alle Gartenbesitzer dazu ein, Mut zur Wildnis zu zeigen. Wer Teile des Gartens als Wildblumenwiese stehen lässt oder wilde Ecken mit Totholz und Laub einrichtet, schafft echte Oasen für Igel, Vögel und Schmetterlinge.“ Außerdem wird daran erinnert, dass Gartenzäune ca 10 cm Bodenfreiheit gewähren sollten, damit Igel und andere Wildtiere ungehindert ihrer Nahrungs- und Partnersuche nachgehen können und nicht beim verzweifelten Suchen nach einem Ausgang in den engen Zwischenräumen der Zäune stecken bleiben und sich dabei schwer verletzen.

Igel gesehen? Bitte melden!

Derzeit sind Igel wieder besonders aktiv und vor allem in den Abend- und Nachtstunden auf Nahrungssuche unterwegs. Die besten Chancen auf eine Igelbeobachtung bestehen zwischen Frühjahr und Herbst – besonders in den Sommermonaten. Dennoch werden Igel in vielen Regionen immer seltener gesehen. Um mehr über den Zustand der Igelpopulation in Hessen zu erfahren, ruft das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) deshalb dazu auf, Igelsichtungen über ihr Onlineportal zu melden. Die Daten helfen dabei, herauszufinden, wo Igel noch vorkommen, wie sich ihre Bestände entwickeln und welche Schutzmaßnahmen besonders wichtig sind. Der BUND Hessen ist Kooperationspartner des HLNUG und unterstützt diese Aktion ausdrücklich. Jede gemeldete Sichtung trägt dazu bei, den Igel in Hessen besser zu schützen.

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