Kreisgruppe Bergstraße

Energieried GmbH plant Fotovoltaik auf der Fläche „Im Bruch“ in Lampertheim - BUND, NABU und Bauernverband fordern die Nutzung bereits versiegelter Flächen

05. Juni 2020 | Energiewende, Landwirtschaft, Lebensräume, Nachhaltigkeit

Landwirte und Naturschützer kritisieren die Planung einer 5 Hektar großen Freiflächen-Fotoanlage im Ried. Angesichts des Arten- und Flächenschwunds sollten die Solarmodule auf den Dächern von Industrie- und Gewerbebauten installiert werden.

Die Energieried GmbH mit Sitz in Lampertheim plant derzeit eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage in der Größenordnung von 5 ha im Lampertheimer Gemarkungsteil „Im Bruch“ beidseits der Bahnstrecke. So sehr die Landesverbände des BUND und des NABU ebenso wie der Regionalbauernverband (RBV) Starkenburg den Ausbau der Fotovoltaik als unverzichtbar für eine Energiewende begrüßen, so kritisch stehen sie dem Bau dieser Anlagen auf Ackerflächen gegenüber. Regionalbauernverbandsvorsitzender Dr. Willi Billau: „Wir haben hier im Ried die wertvollsten Böden bundesweit. Ausgerechnet auf diesen Flächen Strom statt Nahrungsmittel zu produzieren ist sinnfrei.“

Artenschutz braucht mehr Agrarfläche statt weniger

BUND und NABU sehen zusätzlich Probleme mit dem Artenschutz. NABU-Landesvorsitzender Gerhard Eppler: „Insbesondere bei der östlich der Bahnstrecke gelegenen Planungsfläche ist mit dem Vorkommen von besonders geschützten Arten zu rechnen. Die größten Artenverluste bundesweit verzeichnen wir derzeit im Bereich der Agrarflächen. Wenn der Artenverlust gestoppt werden soll, brauchen wir jeden Quadratmeter, denn eine Landwirtschaft, die dem Artenschutz verstärkt Rechnung trägt, arbeitet extensiver und benötigt deshalb mehr und nicht weniger Fläche.“

Solarmodule auf Dächer statt auf Äcker

In den Riedkommunen gibt es hektarweise Dachflächen von Industrie- und Gewerbebauten, die bislang nicht mit Fotovoltaik bestückt sind. Für Landwirte und Naturschützer ist es unbegreiflich, dass bei der Planung von Fotovoltaikanlagen nicht auf diese bereits versiegelten und damit dem Naturschutz und der Landwirtschaft entzogenen Flächen zurückgegriffen wird. Stellvertretender BUND-Landesvorsitzender Guido Carl: „Gerade erst hat Bürstadt das Baurecht für gigantische Logistikhallen geschaffen. Was ist bloß in den Köpfen der Stadtverordneten und der Bürgermeisterin der selbst ernannten ‚Sonnenstadt‘ vorgegangen, dass sie es versäumt haben, Fotovoltaik auf den Dächern im Bebauungsplan festzulegen?“

Kritik an Förderrichtlinien

Insbesondere an der Förderung der Fotovoltaik nach dem EEG üben Landwirte und Naturschützer Kritik. Das vorgeschriebene Ausschreibungsverfahren lässt nur die günstigsten Anbieter zum Zuge kommen und ignoriert damit die Tatsache, dass die Errichtung von Fotovoltaik auf Dachflächen oder aufgeständert über Parkplätzen von Supermärkten mit höheren Investitionskosten verbunden sind. So kommt es, dass für Investoren selbst bestes Ackerland interessant ist, um darauf Fotovoltaikanlagen zu errichten. BUND, NABU und RBV fordern deshalb eine rasche Änderung der Förderrichtlinien. Dr. Willi Billau: „Es kann doch nicht sein, dass erst Logistikhallen auf den Acker gepflastert werden und dann nebendran die Ackerfläche mit Fotovoltaik zugebaut wird, anstatt sie auf den Dächern der Hallen zu installieren.“

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