BUND gründet Arbeitsgruppe zur Lichtverschmutzung

22. Januar 2026 | Artenschutz, Lebensräume

Nach einer Veranstaltung mit der BUND-Nachtretterin Brigitte Heinz will der BUND Bergstraße problematische Beleuchtung erkunden und den zuständigen Stellen Verbesserungsvorschläge zukommen lassen.

Zwei Personen stehen vor Publikum. Nach dem Vortrag von BUND-Nachtretterin Brigitte Heinz diskutieren die Referentin und BUND-Vorstandssprecher Guido Carl mit dem Publikum.  (BUND Bergstraße)

Hauseingänge, Hofeinfahrten, Fassaden und Gärten sind mit vermeintlich umweltfreundlichen Solarlampen beleuchtet. Das Streulicht der Straßenbeleuchtung reicht oft weit über die Straße hinaus und Parkplätze von Supermärkten oder Fassaden von Gewerbehallen werden die ganze Nacht beleuchtet, obwohl niemand da ist. Künstliches Licht, eine der besten Erfindungen der Menschheit, ist an vielen Stellen zum Problem geworden.

Am 17. Januar widmete sich das BUND-KlimaKino der künstlichen Aufhellung der Nacht, auch Lichtverschmutzung genannt. Das Vorbereitungsteam hatte dafür die 3sat-Dokumentation „Licht aus – Wie Kunstlicht die Natur verändert“ (in der Mediathek abrufbar) ausgewählt, wegen technischer Probleme konnte der Film aber nicht gezeigt werden. Brigitte Heinz vom BUND Heidelberg rettete die Veranstaltung: Sie war zur Gesprächsrunde nach dem Film eingeladen worden und sprang spontan mit ihrem eigenen Vortrag ein. Die Biologin ist als Fledermausschützerin oft nachts unterwegs, dabei stellte sie fest, dass die Nacht immer heller wird. Vor einigen Jahren gründete sie beim BUND Baden-Württemberg das Projekt „Nachtretter“.

Die bilderreiche Präsentation startete mit einem Foto von der Milchstraße, die wegen der Lichtverschmutzung fast nirgendwo mehr zu sehen ist. Die Biologin erläuterte, wie vor allem Tiere darunter leiden, dass der natürliche Wechsel von hell und dunkel abgeschwächt ist. Nachtaktive Tiere – dazu zählen zwei Drittel der Säugetiere, 50 Prozent der Insekten, 80 Prozent der Schmetterlinge und die meisten Amphibien – verlieren dadurch Lebensraum und Orientierung. Da sie an schummriges Mondlicht (0,001-0,1 Lux) angepasst sind, erfahren sie Straßenlaternen mit 30 Lux Lichtstärke als gleißend hell. Nachtaktive Insekten umschwirren Leuchtkörper und verenden dort schnell (Staubsaugereffekt). Bei Menschen verringert Lichtverschmutzung die Ausschüttung von Melatonin, was die Schlafqualität senken und die Immunabwehr schwächen kann.

Brigitte Heinz betonte, dass kaum ein Problem so einfach gelöst werden könne wie die Lichtverschmutzung. Sie rät, unnötige Leuchtkörper abzubauen oder mit Bewegungsmeldern und Zeitschaltuhren bedarfsorientiert zu steuern. Wo Beleuchtung erforderlich ist, sollte das Licht ausgerichtet und nicht rundum (Kugelleuchten) in möglichst geringer Menge und warmer Farbe (warmweiß, bernsteinfarben) strahlen. Menschen, die etwas gegen überflüssige Außenbeleuchtung unternehmen wollen, empfahl die Referentin, gemeinsam mit Nachbarn die Kommune oder Gewerbebetriebe anzusprechen. Vorab sollte die Helligkeit mit einem Luxmeter ermittelt werden, denn konkrete Messzahlen sagen mehr aus als der subjektive Eindruck, dass es zu hell sei. In der Diskussion kamen auch die geplanten Wegleuchten am Bruchsee zur Sprache.

Guido Carl, Vorstandssprecher des BUND Bergstraße, kündigte an, dass der Verband eine Arbeitsgruppe zur Lichtverschmutzung gründen will. Sie wird bei gemeinsamen Spaziergängen problematische Stellen in Heppenheim erfassen und die zuständigen Stellen kontaktieren. Das erste Treffen der AG findet am 4. Februar von 18 bis 19 Uhr im Haus der Kirche, Ludwigstraße 13 in Heppenheim statt. E-Mail-Kontakt: bund.bergstrasse@bund.net

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