Keine Fusion ohne Abfälle
In der gemeinsamen Pressemitteilung zur Gründung der Allianz heißt es, die Kernfusion solle langfristig fester Bestandteil eines sicheren, klimafreundlichen und bezahlbaren Energiemixes werden. Doch fällt auch beim Fusionsreaktor radioaktives Material ab. Im Vergleich zu den Abfällen aus der heutigen Atomkraft klingt die Strahlung zwar schneller ab, doch weisen die entstehenden radioaktiven Materialien anfangs eine hundertmal höhere Radiotoxizität aus. „Von einer sicheren Lösung für Mensch und Natur kann bei der Kernfusion daher nicht die Rede sein. Wer also in Biblis Kernfusion betreiben will, sollte zuallererst den Standort eines Endlagers für anfallende Abfälle festlegen“, stellt Jörg Nitsch, Landesvorsitzender des BUND Hessen, fest.
Teure Technik
Um die in einem Fusionsreaktor entstehende Radioaktivität zu begrenzen, sind zudem hochreine Stahlsorten erforderlich. Solche Materialien existieren bislang nicht und ihre Erforschung und Entwicklung dürfte äußerst kostenintensiv sein. Dass Kernfusion also schnell günstigen Strom liefern wird, ist nicht zu erwarten. Studien gehen von mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus Fusionsenergie aus, während Wind- und Solarstrom heute schon zu 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Zudem müsste man wie bei Atomreaktoren etwa zwei Drittel der Energie als Abwärme wegkühlen, es gehen also große Mengen an Energie verloren.
Kernfusion kann darüber hinaus keine verlässliche Grundlastversorgung gewährleisten. Denn die Reaktoren laufen nicht ewig. Auch sie müssen nach einigen Jahren für mehrere Monate stillgelegt werden – bei Störfällen ohne Vorwarnung und ohne Ersatz.
Unsicherer Brennstoff
Um eine Kernfusion in einem Reaktor herbeizuführen, ist eine entscheidende Komponente Tritium, also radioaktiver Wasserstoff. Dieser Brennstoff soll im Reaktor selbst gewonnen werden. Doch ist nicht klar, ob dies überhaupt so möglich ist. Fachwissenschaftler des Bundestags fordern daher, dass zunächst geklärt werden sollte, ob die Kernfusion ihren Brennstoff überhaupt herstellen kann. Zudem ist Tritium schwer einzufangen und kann zu einer erheblichen radioaktiven Belastung der Umwelt beitragen.
Erneuerbare sind längst günstiger und sicherer
Für eine künftige Energieversorgung und den Klimaschutz wird Kernfusion schlicht nicht gebraucht – kostengünstige und sichere Alternativen gibt es schon. Der BUND Hessen fordert daher den Stopp der Förderung der Kernfusion. Neben dem Büro für Technikfolgen des Bundestags haben auch die Akademien der Wissenschaft und der VDE auf erhebliche Probleme der Kernfusion hingewiesen. Die Politiker der Bundesregierung und von sechs Bundesländern ignorieren diese Argumente und fahren in einem Blindflug in die Sackgasse der Kernfusion mit Verschwendung öffentlicher Gelder.
Weitere Informationen
Der BUND Hessen informiert auf seiner Themenseite ausführlich zur Kernfusion.