Zum 25. Jahrestag der Reaktorexplosion von Tschernobyl lud die BUND-Kreisgruppe Bergstraße am 16. April 2011 den Ukrainer Nikolaj Bondar ein, der als Katastrophenhelfer direkt am Unglückreaktor eingesetzt war. Der Vortrag in Bensheim wurde durch eine Kooperation mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk ermöglicht und war der Auftakt für die große Anti-AKW-Demonstration in Biblis am Ostermontag.
Bevor Bondar mit seiner Schilderung begann, verlasen Silke Driemeyer und Herwig Winter vom BUND in chronologischer Reihenfolge einen Teil der Meldungen, die 1986 und 2011 über die Unfälle in Tschernobyl und Fukushima veröffentlicht wurden. Bei der Gegenüberstellung, die mit beeindruckenden Fotos unterlegt war, fielen die Parallelen in der Informationspolitik auf. In beiden Fällen kam das ganze Ausmaß der Katastrophe nur langsam und spärlich an die Öffentlichkeit.
Ruhig und sachlich berichtete Nikolaj Bondar den rund 80 Zuhörern, wie er als 22jähriger Reservist der Marine zum Einsatz in Tschernobyl gefahren wurde, ohne zu wissen, was ihn dort erwartete. Ausgestattet mit Schutzanzügen aus Armeebeständen füllten er und andere „Liquidatoren“ tagelang schwere Säcke, die den zerstörten Reaktormantel notdürftig ersetzen sollten. Anschließend gehörte Bondar zu einem Freiwilligentrupp, der hochverstrahltes Löschwasser unter dem explodierten Reaktorblock abpumpen und somit eine zweite, weitaus schlimmere Explosion verhindern sollte. „Wir mussten zwischen unserem Leben und dem von Millionen von Menschen abwägen und waren von der Mission überzeugt“, sagte der Ukrainer. Von den 25 Kameraden dieses Trupps leben heute nur noch zehn. Bondar ist zu 80 Prozent arbeitsunfähig, bislang wurden bei ihm 20 Krankheiten diagnostiziert. Die ehemaligen Katastrophenhelfer haben sich in der Ukraine zu einem Verband zusammengeschlossen, der um die Rechte der Männer und Frauen streitet, die ihr Leben riskierten, um die verheerenden Schäden der Reaktorexplosion einzudämmen. Erst im Jahr 2003 hat die ukrainische Regierung den Status der Liquidatoren anerkannt.
Der bewegende Vortrag motivierte das Publikum zu vielen Fragen und Spenden für den Verband der Liquidatoren.