16. Dezember 2016

Lebensgrundlage der Menschen in der Region steht auf dem Spiel - BUND und RBV halten geplantes Interkommunales Gewerbegebiet für nicht zukunftsfähig

Von: Herwig Winter, Dr. Willi Billau

Landschaft zwischen Zotzenbach und Mörlenbach heute (Foto: BUND)

Geplantes Interkommunales Gewerbegebiet (Fotomontage: BUND)

BUND- und RBV-Prognose der Weiterentwicklung bis 2040 (Fotomontage: BUND)

Von Seiten der Befürworter eines Interkommunalen Gewerbegebiets Weschnitztal wird immer wieder das Argument ins Feld geführt, dass diese Planung insgesamt Flächen spare. Der BUND-Kreisverband Bergstraße und der Regionalbauernverband Starkenburg (RBV) jedoch sind vom Gegenteil überzeugt.

BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Jede Gemeinde für sich könnte nur eine relativ kleine Fläche ausweisen, die lediglich für heimische Klein- und Mittelbetriebe interessant wäre. Mehr als 10 ha am Stück aber lockt Großinvestoren an.“
Sebastian Glaser, Vorsitzender des Gebietsagrarausschusses Bergstraße: „Es handelt sich um Vorrangflächen für die Landwirtschaft mit hoher Bodengüte. Deshalb steht der Gebietsagrarausschuss des Kreises Bergstraße dem Vorhaben ablehnend gegenüber. Wenn ein Großinvestor erst einmal im Weschnitztal Fuß gefasst hat, wird die Entwicklung nicht mehr aufzuhalten sein. Die Ackerfläche zwischen Zotzenbach und Mörlenbach wird dann zum Opfer von Beton und Asphalt.“

Landwirtschaftsfläche wird bis 2040 zugebaut sein

BUND und RBV prognostizieren, dass die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche zwischen Zotzenbach und Mörlenbach bis spätestens 2040 mit Gewerbe zugebaut sein wird. Dass diese Prognose keineswegs abwegig ist, lässt sich durch vergleichbare Entwicklungen an der Bergstraße und im Ried vielfach belegen. RBV-Vorsitzender Dr. Willi Billau: „In den letzten 20 Jahren hat die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland um 818.000 ha zugenommen. Das ist mehr als die gesamte Landwirtschaftsfläche in Hessen, die nur 770.000 ha umfasst. Ich habe mich in einem sehr offenen und angenehmen Gespräch mit Herrn Bürgermeister Helmstädter über die Angelegenheit ausgetauscht. Ich verstehe seine Argumentation sehr gut. Das geht mir bei fast allen Bürgermeistern so. Wir Landwirte verlieren deshalb immer. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und Ernährungssicherung können und dürfen wir aber nicht mehr nachgeben!“
Eigentlich ist allen Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft klar, dass der ständig fortschreitende Flächenverbrauch so nicht weitergehen kann, wenn die Menschen in den jeweiligen Regionen eine Zukunft haben sollen. Herwig Winter: „Dennoch gibt es vor Ort immer wieder dem Prinzip der Nachhaltigkeit zuwiderlaufende Entscheidungen. Das Interkommunale Gewerbegebiet Weschnitztal ist da leider kein Einzelfall.“

Appell an Kommunalpolitiker: Flächenfraß stoppen, Ackerflächen schützen

Wenn dem Flächenfraß nicht rasch Einhalt geboten wird, dann wird dies nach Auffassung von BUND und RBV die Konflikte, die es schon heute um die Nahrungsmittelerzeugung gibt, enorm verschärfen mit all den negativen Folgen, die sich derzeit überall auf der Welt bereits abzeichnen. Alleine um den momentanen Fleischkonsum in Deutschland zu gewährleisten, werden in Brasilien für jeden Deutschen 300 Quadratmeter Land mit Soja bewirtschaftet. Die EU nutzt außerhalb Europas rund 640 Mio. Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Das ist viermal so viel wie die Landwirtschaftsfläche aller 28 Mitgliedsstaaten zusammen.

BUND und RBV appellieren deshalb gemeinsam an die Verantwortung gerade der Kommunalpolitiker, die es in der Hand haben, ob Ackerfläche geschützt oder vernichtet wird. Dr. Willi Billau: „Neue Gewerbegebiete oder Straßen lassen sich leicht einrichten, Ackerflächen dagegen sind nicht vermehrbar. Das sollte jedem Entscheidungsträger bewusst sein, bevor er die Hand zugunsten von noch mehr Beton und Asphalt hebt.“




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