25. September 2018

Info-Nachmittag des BUND Bergstraße über Nachhaltigkeit mit dem Film „Tomorrow“

Nach dem Film "Tomorrow" stellten sich Direktkandidaten des Wahlkreises Bergstraße I den Fragen des Publikums und des BUND. Von links: Aline Zuchowski (Grüne), Marius Schmitt (SPD) und Yannick Mildner (Die Linke) Foto: BUND

Nachhaltiges Handeln soll sicherstellen, dass wir auch in Zukunft ein menschenwürdiges Leben führen können. Raubbau an der Natur, Verschmutzung der Lebensgrundlagen und Vergiftung der Umwelt sind Themen, denen wir Erdenbürger uns stellen müssen. Im Rahmen des hessischen Tags der Nachhaltigkeit zeigte der BUND Bergstraße am 15.09. im Saalbau-Kino in Heppenheim den Film „Tomorrow - die Welt ist voller Lösungen“ über nachhaltiges Handeln und präsentierte Bergsträßer Gruppen, die bereits vorbildich aktiv sind.

Im Foyer und vor dem Gebäude des Kinos wurden die Besucher von vielen Angeboten von regionalen Gruppen, Vereinen und Firmen überrascht, die Wege zu mehr Nachhaltigkeit aufzeigen. Man sah Lastenfahrräder, die abgasfreie Kleintransporte ermöglichen. Das Repaircafé Bergstraße war vertreten, das Hilfe bei der Reparatur von Geräten bietet, die sonst im Müll landen würden. Der Weltladen Heppenheim setzt sich für einen fairen Welthandel ein und die Permakultur Bergstraße vermittelt Anleitung zu naturgemäßem Gärtnern. Der Möbelmarkt Teil + Habe wiederum sorgt dafür, dass gebrauchte Möbel nicht weggeworfen sondern weitervermittelt werden. Die Streuobstmanufaktur Kernhaus unterstützt naturnahe Streuobstwiesen und bot unbehandelte Gravensteiner Äpfel an. Eine Firma aus Mossautal warb für handgemachte Naturseifen. Die Marktschwärmerei Bensheim servierte Kostproben von regionalen Lebensmittelerzeugern und bei der BUND-Arbeitsgruppe Ernährung gab es selbstgemachten Kuchen aus Streuobst.

Der Filmvorspann des BUND wies auf den Rat für nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung hin, der seit 2003 die Regierungspolitik unterstützt. Bedauerlicherweise folgt die Bundesregierung den Empfehlungen des von ihr selbst ernannten Rats nicht konsequent, so beispielsweise der Empfehlung zum sofortigen Ausstieg aus der besonders emissionsintensiven Kohleverstromung. Der Filmvorspann richtete unter anderem einen eindringlichen Appell an die Parteien des hessischen Landtags, dem Handelsabkommen CETA nicht zuzustimmen, weil es Umwelt- und Verbraucherschutz-Standards bedrohe. Außerdem vergrößere die mit CETA geplante Investitionsschutz-Paralleljustiz den Einfluss transnationaler Konzerne auf die Politik und unterhöhle so die Demokratie.

Beeindruckend und inspirierend zeigte der Film „Tomorrow“, dass „die Welt voller Lösungen“ ist. Auslöser des Films war eine deprimierende Studie über den wahrscheinlichen Zusammenbruch der weltweiten Ökosysteme zwischen 2040 und 2100, wenn die Weltbevölkerung ihre Gewohnheiten nicht ändert. Daher präsentiert der Film eindrückliche Beispiele, wie jeder selbst Lebensbedingungen verbessern kann. So erlebte die US-Stadt Detroit den Niedergang der Automobilindustrie und verlor wegen Arbeitslosigkeit einen Großteil ihrer Bewohner. Zurück blieben Industriebrachen und zerfallende Häuser. In Selbsthilfe begrünen verbliebene Menschen die Stadt und bauen auf Brachflächen Nahrungsmittel zur Selbstversorgung an ("Urban Gardening"). In der Normandie zeigt die Gemüsefarm Bec Hellouin, dass Permakultur drei- bis viermal mehr Ertrag pro Fläche erzielen kann als die konventionelle Landwirtschaft und zwar ohne den Einsatz fossiler Energie in Form von Treibstoff, Kunstdünger und Pestiziden. Eigenes Saatgut und viel Handarbeit schaffen neue Arbeitsplätze und sind gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich. Im städtischen Straßenverkehr zeigt Kopenhagen eine beispielhafte Verkehrsplanung für Radler und Fußgänger: Der öffentliche Verkehr und aktive Mobilität erhalten Förderungen, Verbrennungsmotoren werden mit Steuern und politisch reguliert, was die Luftqualität erheblich verbessert. Als Beispiel für effiziente Flächennutzung wurden Photovoltaikanlagen mit Gewächshäusern kombiniert, um die gleiche Fläche doppelt zu nutzen. Weitere Lösungen, die der Film vorstellt, findet man unter http://www.tomorrow-derfilm.de/blog und auf der Internetseite "BUND Bergstraße Umweltfilme"

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion antworteten Aline Zuchowski (Grüne), Marius Schmitt (SPD) und Yannick Mildner (Die Linke) auf Fragen des Publikums und des BUND, beispielsweise zur Sicherung der Grundwasservorräte im hessischen Ried, zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien, zur Sicherung der Biodiversität und zur Erhöhung des Biolandbaus. Die weiteren in den Bergsträßer Kreistag gewählten Parteien hatten die Einladung des BUND leider nicht angenommen.

Insgesamt bewerteten viele Besucher die Veranstaltung der BUND als sehr gelungen. Mancher nahm neue Denkanstöße mit und nahm sich vor, selbst in Sachen Nachhaltigkeit aktiv zu werden. „Viele Menschen sind schon bereit zum Handeln, aber die wesentlichen Schritte für die Zukunft muss die Politik tun“, wies BUND-Vorstandsmitglied Willy Welti auf die Verantwortung der gewählten Volksvertreter hin.




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