17. November 2017

Es geht auch ohne Glyphosat - Film und Diskussion über nachhaltige Landwirtschaft

Der Kreisverband Bergstrasse im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat in seiner letzten Umweltfilm-Veranstaltung das Thema "Nahrungsmittel ohne Gift - geht das?" behandelt. Es wird immer wieder bezweifelt, dass man die Weltbevölkerung mit Bio-Produkten ernähren kann und es wird behauptet, dass sich viele Menschen Bio-Lebensmittel nicht leisten könnten. Beides stimmt nicht. Das im Film "Code of Survival" gezeigte Beispiel der Sekem-Farm in Ägypten beweist, dass man mit Bio-Landwirtschaft sogar die Wüste fruchtbar machen kann. Drei Viertel der in dieser Farm erzeugten Bio-Lebensmittel werden lokal verkauft und nur ein Viertel geht in den Export, obwohl im Export höhere Preise erzielt werden können. Die Erträge der Sekem-Farm reichen nicht nur für die Entlohnung der Mitarbeiter, es werden damit auch Schulen für die Kinder der Mitarbeiter finanziert.


Ganz anders in den USA, wo die meisten Farmer auf Chemie gesetzt haben. Nach anfänglichen Erfolgen stehen viele dieser Farmer jetzt vor großen Problemen. Im Film wird gezeigt, dass das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat dazu geführt hat, dass sich resistente Unkräuter entwickelten, die eine weitere Nutzung vieler Äcker fast unmöglich machen. Bedrückend ist auch, dass seit dem Einsatz von Glyphosat viele Krankheiten enorm zugenommen haben. Dazu gehören Krebs, Alzheimer und Autismus.


Weltweit gibt es in Gebieten, in denen viel Glyphosat eingesetzt wird, viele Todesfälle und Missbildungen bei Neugeborenen, wie man im Film "Roundup - der Prozess" erfahren kann (der Film ist im Internet verfügbar). Nur mit Bio-Erzeugnissen kann man auf Dauer die Welt ernähren erklärt auch der Bio-Fachmann und Landwirt Felix zu Löwenstein in seinem Buch "Food Crash". Alles andere führt in die Sackgasse. Auch der Weltagrarbericht kommt zu diesem Ergebnis.

 

Nach der Vorführung von „Code of Survival“ gab es eine lebhafte Diskussion. Da der Regisseur Bertram Verhaag wegen Krankheit kurzfristig absagen musste, beantworteten die Biologin Stefanie Poser und der Bio-Landwirt Karl Bauer auf kompetente Weise die Fragen des Publikums.


In der EU wurden weit über eine Million Stimmen gegen eine weitere Zulassung des giftigen Pflanzengifts gesammelt, kürzlich hat das EU-Parlament zum zweiten Mal gegen eine Verlängerung der Glyphosat-Zulassung gestimmt. Es ist nun überfällig, dass die Regierungen und die EU-Kommission die Entscheidung des EU-Parlaments übernehmen und Glyphosat endlich in der EU verbieten. Einige europäische Länder haben diesen Schritt bereits getan. Deutschland hat sich leider bei der Abstimmung enthalten.

 

 

Glossar:

Glyphosat ist Bestandteil des Unkrautvernichters Roundup. Als sogenannter Chelator bindet es im Boden lebenswichtige Spurenelemente, sodass diese in den Nahrungsmitteln fehlen und dadurch Mangelerscheinungen und Krankheiten bei Mensch und Tier auftreten. 75 Prozent der Deutschen sind deutlich mit dem Pflanzengift belastet. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation hat Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Anders das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR. Es hält sogar eine Erhöhung des Grenzwerts um zwei Drittel für unbedenklich. Das BfR berücksichtigt in erster Linie Studien nach dem GLP-Standard (Gute Labor Praxis). Dieser Standard ist von der Industrie geprägt. So bleiben viele kritische Studien unberücksichtigt.




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