9. April 2018

Ereignisreiches Jahr beim BUND-Ortsverband Bensheim

Von: Andreas Rossa

Am 12. März 2018 fand die Jahreshauptversammlung des Bund für Umwelt und Naturschutz Ortsverband Bensheim (BUND-Ortsverband Bensheim) statt. Vorsitzender Andreas Rossa berichtete über das vergangene Jahr. Neben den regelmäßigen Aktivitäten wie Amphibienschutz und Streuobstwiesenschutz gehörten auch wieder mehrere Infostände und Veranstaltungen zu den Programmpunkten im vergangenen Jahr.

So zum Beispiel die Teilnahme am Bensheimer Weihnachtsmarkt im Rahmen der Künstlerbuden. Dort wurde das Thema Papier-Upcycling präsentiert. Dabei zeigten die Aktiven des BUND unter Anleitung des zweiten Vorsitzenden Volker Massoth, wie z.B. aus alten Schmuckblättern von Monatskalendern neue attraktive Geschenkverpackungen hergestellt werden können.

Mit einer Gedenkminute wurde dem im Jahr 2017 verstorbenen langjährig im Vorstand Bertram Blaich gedacht, der genauso unerwartet verstarb wie auch das langjährige Vereinsmitglied Hille Krämer.

Da dieses Jahr keine Vorstandswahlen anstanden wurde im Rahmen der üblichen Formalien Frau Laura Perschel als neue Beisitzerin in den Vorstand nachgewählt. Außerdem stellte Günter Lissner, der Schatzmeister der Ortsgruppe, der Versammlung den Kassenbericht vor, und die Kassenprüferin Birgit Rinke legte den entsprechenden Prüfbericht vor. Schließlich wurde der gesamte Vorstand einstimmig von der Versammlung entlastet.

Dieses Jahr möchte die BUND Ortsgruppe Bensheim eine neue Projektgruppe im Bereich Stadt- Bäume, Innenstadtgrün und lebendige Vorgärten starten. Die zunehmende Innenverdichtung hat negative Folgen für Grünstrukturen und Lebensqualität. Insofern erachtet es der BUND Ortsverband Bensheim für notwendig, neue und andere Wege und Maßnahmen zur Begrünung der Innenstadtbereiche zu erschließen. Beispielsweise sollte konsequent vor allem im Kernstadtbereich nach Möglichkeiten gesucht werden, wo einzelne Baum- und Großstrauchpflanzungen durchgeführt werden können. Aus Sicht der Ortsgruppe gibt es einige dafür geeignete Bereiche, in denen standortgerechte Solitärbäume in verschiedenen Wuchsformen, z.B.: großkronig, pyramidial oder kugelförmig gepflanzt werden könnten.

Ein weiterer Diskussionspunkt bei der Hauptversammlung des BUND war die Flächennutzungsplanänderung Riedwiese und der Bebauungsplan Riedwiese. Dieser wird vom Ortsverband in Bezug auf die Ausweisung eines Industrie- bwz. Gewerbe-Gebietes und der Ansiedelung einer Baustoffrecycling-Anlage einhellig abgelehnt! - Eine Stellungnahme hierzu wird auf der nächsten Monatssitzung im April erarbeitet werden.

Eine geplante Abfall- Baustoffaufbereitungsanlage gehöre nicht in ein Gewerbegebiet, sondern in ein Industriegebiet jenseits jeglicher Wohn- und Schulbereiche. Sie ist wegen ihres räumlichen Umfangs, der Art der Betriebsvorgänge und der Intensität des Zu- und Abgangsverkehrs geeignet, den unmittelbar angrenzenden Wohn- und Gewerbegebietes zu stören. Die eigentliche Behandlung der Abfälle (Abkippen, Zerkleinern, Sortieren) sind Arbeitsvorgänge mit erheblichem Störpotential. Es ist daher mit erheblichen Lärm-, Staub- und Geruchsbelästigungen für die Umgebung zu rechnen. Diese Belastungen kommen dann zu den bereits bestehenden durch die Autobahn hervorgerufenen Lärmimssionen noch zusätzlich hinzu. Diese Auswirkungen einer Bauschuttaufbereitungsanlage können daher auch nicht singulär für sich allein betrachtet werden. Es müssen daher alle relevanten Daten und Gutachten bezüglich Umfang, Betrieb und vorgesehenes Bauschuttmaterial veröffentlicht werden. Blankobeschlüsse zum Betrieb einer solchen Anlage seitens Verwaltung und Politik sind so nicht akzeptabel.

Der Jahreshauptversammlung unmittelbar vorangegangen war eine weiterer Vortragsveranstaltung der BUND Ortsgruppe Bensheim zum Thema: „Wildkatze“. Zu Gast war Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen. In ihrem Vortrag zur Wildkatze, die anmutig und vorsichtig durch die Wälder Hessens schleicht, wurden den Zuhörern viele interessante Details zu diesem Tier nahegebracht. Als echte Ureinwohnerin ist sie schon seit vielen zehntausend Jahren in Europa zu Hause. Doch ihre Bestände wurden weit zurückgedrängt. Bei uns in Hessen hat sie ihre Verbreitungsschwerpunkte in den naturnahen Laub- und Mischwäldern des Spessarts, der Rhön, des hessischen Berglands und des Taunus. „Die Wildkatze steht wie kaum ein anderes Tier für die letzte Wildnis in Deutschland. So scheu und zurückgezogen wie sie lebt, bekommen sie selbst Jäger und Förster nur äußerst selten zu Gesicht“, so Susanne Schneider, Wildkatzenexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Hessen. Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Wildkatze ist ihr verwaschenes, grau-braunes Fell und der buschige Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und schwarzem stumpfem Ende. Tagsüber ruht sie in ihren Verstecken, nachts wird sie zum flinken Räuber. Sie lebt vor allem von Mäusen und streift dabei durch ihr bis zu 30 Quadratkilometer großes Revier.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Wildkatze fast ausgestorben, noch immer steht sie auf der Roten Liste. Ihr Bestand wird deutschlandweit auf etwa 5.000 bis 7.000 Tiere geschätzt. Straßen und wachsende Siedlungen und Ackerflächen beschneiden ihren Lebensraum und sind deswegen heute ihre größten Gefahren. In den letzten Jahren zeigte sich aber auch eine erfreuliche Entwicklung. „Der BUND konnte in der hessenweiten ‚Wildkatzeninventur‘ wieder neue Bestände nachweisen, wie etwa im Krofdorfer Forst im Landkreis Gießen und in Teilen des Vogelsbergs,“ so Schneider. „Die Wildkatze ist ein guter Indikator für den Zustand der Wälder und Waldsäume. Dort, wo sie zu Hause ist, sind die Wälder in einem guten Zustand.“ Doch noch immer sind geeignete Lebensräume in Hessen wie etwa südlich des Maines von der Wildkatze noch nicht wieder erobert. Es fehlen die Verbindungen, die „grünen Korridore“, über die die Wildkatze und viele andere Tiere des Waldes diese Wälder erreichen. Das langfristige Ziel des BUND „Rettungsnetzes für die Wildkatze“ ist deshalb ein Netz aus Wäldern von 20.000 km Länge über ganz Deutschland




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