18. April 2018

Die zunehmende Betonierung von Agrarflächen muss gestoppt werden - BUND, NABU und Bauernverband wenden sich gegen Gewerbegebietserweiterung in Bürstadt

BUND-Kreisverband Bergstraße, Naturschutzbund (NABU)-Ortsgruppe Bürstadt und Regionalbauernverband (RBV) Starkenburg wenden sich mit aller Entschiedenheit gegen die geplante Erweiterung des gerade erst in Bau befindlichen Gewerbegebiets in Bürstadt. RBV-Vorsitzender Dr. Willi Billau: „Fast 20 ha Ackerböden fallen dem bestehenden Bebauungsplan „Am Brückelsgraben Nord“ schon zum Opfer, jetzt will die Stadt mittelfristig weitere rund 20 ha Gewerbegebiet ausweisen. Dabei handelt es sich um Böden bester Qualität.“ BUND-Kreisvorstandssprecher Herwig Winter: „Das Maß ist voll! So kann das nicht weitergehen. Wer Fortschritt danach bemisst, dass Jahr für Jahr wertvolle Böden betoniert und asphaltiert werden, zerstört unsere Lebensgrundlagen.“ Auch NABU-Ortsgruppenvorsitzender Dr. Michael Held aus Bürstadt ist entsetzt: „Immer weitere Wohn- und Gewerbegebiete führen zur Versieglung von Flächen und bedrängen wertvolle Biotope in deren direkter Nachbarschaft.“

Vorrang für Grünzug und Landwirtschaft

Völlig unbegreiflich ist für den BUND, den NABU und den RBV, dass immer wieder wie selbstverständlich Flächen in Anspruch genommen werden, die im Regionalplan Südhessen ausdrücklich vor Bebauung geschützt sind. Die geplante Erweiterungsfläche für das Bürstädter Gewerbegebiet liegt in einem Vorranggebiet Regionaler Grünzug und in einem Vorranggebiet für Landwirtschaft. Herwig Winter: „Hat sich die Regionalversammlung etwa nichts dabei gedacht, als sie diese Schutzkategorien ausgewiesen hat? Oder läuft das nach dem Motto: Was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern? Was da schon wieder geplant wird, ist verantwortungslos.“

Mangel an Agrarflächen

Der RBV verweist darauf, dass in den Jahren 1992 bis 2012 die Landwirtschaftsfläche bundesweit um rund 860.000 ha abgenommen hat, was fast der gesamten Landwirtschaftsfläche Hessens entspricht, die rund 884.500 ha umfasst. Nach Auffassung der Vereinten Nationen hängt die Zukunftsfähigkeit einer Nation unter anderem davon ab, ob sie dauerhaft in der Lage ist, die in ihr lebenden Menschen auf der Basis der im Land zur Verfügung stehenden Agrarflächen ausreichend mit Nahrung zu versorgen. Deshalb hatten die UN das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens erklärt. Dr. Willi Billau: „Die landwirtschaftlich nutzbare Fläche auf unserem Planeten beträgt nur rund 4% und die Wüstenflächen sind in Ausdehnung begriffen. Bei immer noch wachsender Weltbevölkerung sollten wir es deshalb tunlichst vermeiden, unsere fruchtbarsten Böden in Beton- und Asphaltwüsten zu verwandeln.“

Beton und Asphalt kontra Artenschutz

In der jüngsten Vergangenheit hat ein weiteres Problem zunehmende Brisanz erlangt. Das Artensterben gerade im Offenland schreitet trotz aller Bemühungen immer weiter voran. Herwig Winter: „Politiker auf allen Ebenen versprechen, dass sie dem Artensterben entgegenwirken wollen. Doch wie soll dieser Misere begegnet werden, wenn immer mehr Felder und Wiesen betoniert und asphaltiert werden?“
Der NABU Bürstadt befürchtet außerdem, dass mit den Gewerbegebieten im Norden Bürstadts noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist und weitere Bauvorhaben avisiert werden. Dr. Michael Held: „Deshalb darf die im Verkehrsrahmenplan Bürstadt 2030 als Vorzugsvariante dargestellte Ortsrandstraße im Nordosten der Stadt auf gar keinen Fall realisiert werden, denn sie würde weitere landwirtschaftliche Nutzflächen verbrauchen und je nach genauem Verlauf die verbleibende unversiegelte Fläche durch Zerschneidung massiv beeinträchtigen.
BUND, NABU und RBV fordern von den politischen Entscheidungsträgern in Bürstadt, dass sie dem ungebremsten Flächenverbrauch in ihrer Gemeinde ein rasches Ende setzen. Nur wer Böden konsequent schützt statt versiegelt, schafft gerade auch für die Menschen in der Region eine dauerhafte Existenzgrundlage und entzieht wirkungsvollem Artenschutz nicht die Grundlage.




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