30. Oktober 2014

Die Wälder im Hessischen Ried müssen gerettet werden

Waldumbau à la Hessen-Forst an der A6 bei Hüttenfeld im Natura 2000 Schutzgebiet "Reliktwald"; Bepflanzung mit Kiefer

Waldumbau à la Hessen-Forst an der A6 bei Hüttenfeld im Natura 2000 Schutzgebiet "Reliktwald"; Bepflanzung mit Kiefer

Bei der heutigen Vorstellung seiner Broschüre "Chancen und Risiken der Waldentwicklung im Hessischen Ried" hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vom Land Hessen und den Kommunen vermehrte Anstrengungen zur Rettung der Wälder im Hessischen Ried gefordert.

BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: "Ohne schnelle Hilfe werden die Wälder im Ried auf großer Fläche verdursten." Dort, wo der Wasserhaushalt aus heutiger Sicht nicht mehr hergestellt werden kann, zeigt der BUND in einem neuen Konzept auf, wie ein naturnaher Waldbau unter Verwendung der heimischen Laubbaumarten gelingen kann. Daher lehnt der Verband den von Hessen-Forst geplanten vermehrten Anbau von fremdländischen Baumarten und Nadelhölzern ab. BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: "Hessen-Forst ist auf dem Holzweg. Wer auf die Pflanzung ausländischer Baumarten und harte technische Eingriffe setzt, der beschleunigt die Destabilisierung der bereits stark geschädigten Wälder."

Die Wälder im Hessischen Ried haben nach Auffassung des BUND-Landesverbandes Hessen für den Naturschutz allerhöchste Bedeutung. Doch dieser einmaligen Vielfalt droht eine tödliche Gefahr. BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: "Die Wälder befinden sich seit rund 50 Jahren in einem Überlebenskampf, weil die Grundwasserentnahme zur Versorgung des Rhein-Main-Gebietes mit Trinkwasser den Wurzelraum ausgetrocknet hat. Nur wenn die Wälder wieder Grundwasseranschluss erhalten, haben sie eine Überlebenschance. Wir sind sehr froh, dass Forstwirtschaft und Naturschutz in dieser Frage mit einer Stimme sprechen."

Naturnaher Waldbau anstatt harter technischer Eingriffe

Wie soll es nun aber mit den Wäldern weitergehen, für die der Grundwasseranschluss nicht hergestellt werden kann? Hier vertreten der BUND und Hessen-Forst höchst unterschiedliche Konzepte. Hessen-Forst setzt auf harte technische Eingriffe sowie die Pflanzung von Kiefern und nicht heimischen Arten wie Douglasie und Roteiche, während der BUND einen naturnahen Waldbau unter Verwendung heimischer Laubbaumarten favorisiert. BUND-Vorstandssprecher Herwig Winter: "Das Umsteuern auf fremdländische Baumarten geht zu Lasten des Naturschutzes und ist mit den rechtlich fixierten Zielen der Schutzgebietsverordnungen nicht vereinbar. Die Artenvielfalt wird damit stark eingeschränkt, was den Bemühungen der Hessischen Landesregierung im Rahmen der Biodiversitäts-Strategie zuwiderläuft."

BUND-Kreisverbandsvorsitzender Guido Carl: ʺAußerdem haben wir große Zweifel, dass das Konzept von Hessen-Forst bei zunehmender Klimaerwärmung tatsächlich zur Rettung der Wälder ohne Grundwasseranschluss führt. Wir glauben deshalb, dass die Mehrzahl der Argumente für unser Konzept spricht." BUND-Forstexperte Henner Gonnermann: "Wir sind sicher, dass es unter den im Hessischen Ried anzutreffenden heimischen Laubbäumen eine ganze Reihe von Exemplaren gibt, die auch mit den Gegebenheiten ohne Grundwasseranschluss zurechtkommen. Mit den Sämlingen dieser Bäume sollte Hessen-Forst sich beschäftigen statt auf Waldumbau mit Kiefern, Douglasien und Roteichen zu setzen." Mit der vorliegenden Schrift "Chancen und Risiken der Waldentwicklung im Hessischen Ried" präsentiert der BUND Hessen seine Vorstellungen und Forderungen zur Rettung der Wälder. Sie sind das Ergebnis der intensiven und teilweise sehr kontroversen Diskussionen mit Hessen-Forst am Runden Tisch "Grundwassersanierung Hessisches Ried".




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