26. Juli 2007

Bensheimer Flächenpolitik verantwortungslos und nicht zukunftsfähig

Von: Herwig Winter
Der Stubenwald II: Gigantische Planung ohne Verantwortung

Der Stubenwald II: Gigantische Planung ohne Verantwortung

Bensheim. Die Stadt Bensheim möchte zum wiederholten Mal eine gigantische Gewerbegebietserweiterung durchsetzen. Stubenwald II mit fast 30 Hektar Fläche soll unter Beton und Asphalt; die Planung reicht bis an die Gemarkungsgrenze nach Lorsch. Das wird in Lorsch nicht ohne Antwort bleiben, liegen doch auch dort die entsprechenden Pläne bereits in der Schublade, allerdings als langfristige Option. Die Stadtverordneten von Bensheim müssen sich nach Auffassung des BUND-Kreisverbandes Bergstraße die Frage gefallen lassen, ob sie bedacht haben, dass nach einer immer weiter in diese Richtung getriebenen Entwicklung auf ihre Stadt der wirtschaftliche Stillstand zukommt.
Denn nach der Ideologie, die sich hinter dieser Flächenpolitik verbirgt, kann Fortschritt immer nur durch die Beanspruchung neuer Flächen stattfinden. Unverbaute Flächen aber sind eine endliche Ressource. In Bensheim täte man also sicher gut daran, sich einmal Rat im Nachbarmusterland für wirtschaftliche Entwicklung Baden-Württemberg zu holen, wo es seit 2003 das Modellprojekt zur Eindämmung des Landschaftsverbrauchs durch Aktivierung des innerörtlichen Potenzials (MELAP) gibt.

Derzeit sind die Flächen, auf die Bensheim und Lorsch ihr Augenmerk gerichtet haben, im Raumordnungsplan als Regionaler Grünzug ausgewiesen und stehen deshalb nach geltendem Recht für eine Bebauung nicht zur Verfügung. Die Planungsvorgabe des Regionalen Grünzugs wurde vom Gesetzgeber eigens geschaffen, um dafür Sorge zu tragen, dass Kommunen in Ballungsräumen die für das Leben der Menschen unabdingbar notwendigen Freiräume erhalten. Denn diese Freiräume dienen zum einen der Naherholung, zum anderen aber auch der Erzeugung von Nahrungsmitteln, da sie in der Regel landwirtschaftlich genutzt werden. Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang auch der Anbau von Pflanzen für energetische Zwecke. Hinzu kommt, dass nur Pflanzen durch ihr Wachstum in der Lage sind, den Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre zu senken.

Eine ungebremste Flächenversiegelung läuft diesen Vorgaben zuwider und ist nicht länger hinnehmbar. Der BUND fordert deshalb die Stadtverordneten von Bensheim auf, von den nicht mehr zu verantwortenden, großflächigen Gewerbegebietsausweisungen Abstand zu nehmen und über Konzepte wie MELAP nachzudenken, die den Erfordernissen des Klimaschutzes und den Bedürfnissen künftiger Generationen gerecht werden. Sie würden damit gleichzeitig ein positives Signal an ihre Kollegen in Lorsch senden, sich ebenso verantwortungsbewusst zu verhalten. Einfach nur neue Flächen zu versiegeln, um wirtschaftlichen Fortschritt zu gewährleisten, ist ein Rezept von vorgestern und nicht zukunftsfähig.




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